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Geschichte der Juden.
der Lauheit der zunächst als Vollstrecker des Urtheils bestellten Fürsten.Erst ähnliche Vorgänge in Worms beschleunigten das Ende derFrankfurter Wirren Z.
Dort hatte die durch Judenhaß und Brodneid entstandene Er-bitterung gegen eine der ältesten deutschen Gemeinden zur selben Zeitinsofern einen andern Verlauf genommen, als nicht die Zünfte, sonderneinige Glieder des Magistrats die Ausweisung der Juden betriebenund als der Hauptjudenfeind nicht ein brutaler, aber gerader Hand-werksmann, sondern ein arglistiger Advokat und Rechtsverdreher war.Der Hauptgrund war auch hier wie in Frankfurt die Auflehnung gegenden Magistrat. Nur handelten die Zünftler hier geschlossener undeinmüthiger. Siebzehn Zünfte wählten einen Ausschuß von je einemMitgliede aus jeder Zunft, welcher sowohl gegen den Magistrat, alsgegen die Judenschaft Vorgehen sollte. Verarmung ihres Gemeinwesens,welches in den veränderten Handelsverhältnissen lag, schoben sie aufdie Inden und den Wucher, was einer dem andern nachjammerte, ob-wohl der Zinsfuß in Folge der Entscheidung des Speierschen Gerichtesauf fünf vom Hundert herabgesetzt war. Die Unvernünftigen dachten,durch die Vertreibung der Juden den Wohlstand der Stadt zu hebenund arbeiteten darauf los. Der Führer und Rathgeber, der Alles inAllem im Bürgerausschusse, war ein Rechtsgelehrter, Doktor Chemnitz(Chemnitius), welcher durch Advokatenkniffe glücklicher und ungefähr-licher die Ausweisung der Juden durchsetzen zu können vermeinte, alsdie Frankfurter durch Gewalt. Zunächst wurden allerhand Schikanenund Beschimpfungen gegen sie angewendet. Der Ausschuß wollte nichtHand an sie legen, aber sie mürbe machen. Er versperrte ihnen dieAusgänge zur Stadt, verhinderte sie, Einkäufe von Nahrungsmittelnzu machen, jagte ihr Vieh von der Weide") und ließ nicht einmalMilch für jüdische Kinder in die Judengasse bringen. Die Judensahen sich von sicherem Elende bedrobt und schafften daher ihre beweg-liche Habe nach benachbarten Plätzen: dieses wollte der Ausschuß ver-hindern und legte Schloß und Kette an die zwei Thore der Juden-gasse, um nichts hinausschaffen zu lassen. Da diese Maßregel aber
Quellen über die Vorgänge in Worms: Schudt das. I. S. 417 fg.;Schaab, Geschichte der Juden von Mainz S. 202 fg.; Wolf, Geschichte derJuden von Worms S. 17 fg; ausführliche Relation von Joh. Georg Kern, auseinem Codex des Wormser Gymnasialarchivs, mitgetheilt von L. Levysohnin Frankels Monatsschr. Jahrg. 1858, S. 38 fg.
') Jedes jüdische Haus hatte bis dahin das Recht, eine Kuh auf die Weidevon Kisselwitz zu treiben, Judenstättigkeit von Worms bei Wolf a. a. O.S. 74, Z 10.