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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Bürger vertheilt, damit diese daraus die Berechtigung zur Ausweisungder Juden klar erkennen sollten. Der Magistrat ließ zwar die Exem-plare der aufregenden Schrift confisciren, aber der von dem Pfeffer-küchler geleitete Ausschuß setzte ihre Freigebung durch. Diese Schriftthat auch ihre Wirkung; sie machte die Zünftler nur noch mehr er-bittert gegen die Juden. Die Plünderung, sowie Ausweisung derJuden wurde öffentlich verhandelt, und öfter hieß es, es werde audiesem oder jenem Tage ein Angriff ans das Judenviertel gemachtwerden. Beschimpfungen, Mißhandlungen und Einkerkerungen einzelnerJuden waren an der Tagesordnung. Immer kühner traten Fettmilchund die Zunftmeister auf, rissen dem Magistrat das Regiment ausden Händen und bedrohten ganz offen die Juden. Vergebens erschienenkaiserliche Commissarien, Subdelegirte des Erzbischofs JohannSchwickhard von Mainz und des Landgrafen Ludwig von Hesseu-Darmstadt, den Streit zwischen Rath und Bürgerschaft zu unter-suchen und zu schlichten und die Juden zu schützen. Sie zogenunverrichteter Sache ab und sofort machte die Rotte Angriffe auf dasThor des Jndenviertels am Wochenfeste. Auf das Schlimmste gefaßt,hatten viele Inden ihre Frauen und Kinder von dem unter ihrenFüßen erzitternden Boden entfernt. Die Commissarien erschienenwieder mit dem Mandate des Kaisers, die Ruhe herzustellen, drangenabermals nicht durch, ja verschlimmerten noch die Lage. Selbst dieBürger, welche fürchteten, sich dem Zorne des Kaisers auszusetzen,stachelten ihre Gesellen und Tagelöhner zum Angriff auf die Judenauf. Und als die Commissarien dieselben mit Ausweisung bedrohten,kannte ihre Raserei keine Rücksicht. Der Tag für die Plünderungund vielleicht Ermordung der Frankfurter Juden war bereits verabredet,und die ganze Gemeinde beging ihn mit Fasten und Gebet, wie einenVersöhnnugstag, um die Hilfe des Himmels zu erflehen, wo menschlicheHilfe so fern war.

Am bestimmten Tage (27. Ellul 22. August alten Styls, Septbr.neuen Styls 1614*), während die Gemeinde im Bethause versammeltwar, folgte Schlag auf Schlag und Stoß auf Stoß, mit Wuthgeschreivermischt, an die Pforte des Judenviertels. Darauf von Seiten derJuden Angstgeschrei, verzweifeltes Hin- und Herrennen und rathloses

i) Quellen darüber bei Schudt a. a. O. Kriegk a. a. O. Von jüdischerSeite Vincenz-Lied oder .-n'-r, auch rm von Elchana b. AbrahamHelen, hebräisch und deutsch zuerst gedruckt Amst. 1618, auch einverleibt inGans -na und bei Schudt. Der richtige Familienname des Vers, ist Helen

und nicht Hellein. Es gab Aerzte mit dem Namen Helen oder Helenius.S. darüber Katalog Bodleiana x. 921.