Der Senior Müller.
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Knechtung der Juden; ihnen irgend eine freie Bewegung lassen, hießesich einer Sünde schuldig machen und Gott lästern. Nach seiner An-sicht müßte die Obrigkeit sie zwingen, einen gelben Lappen zu tragen,dürfte ihnen nicht Grundbesitz, nicht eine Synagoge gestatten, Christendürfen nicht Dienst in einem jüdischen Hause nehmen, nicht einmalCompagnieschaft für Geschäfte mit ihnen machen. Und nun gar sichjüdischer Aerzte zu bedienen, das sei der Sünden größte. Mit dieserAnsicht stand er noch weniger allein. Drei theologische Facnltäten,die hauptlutherische von Wittenberg, die Straßburger und dieRostocker, hatten auf Müllers Anfrage den Bescheid ertheilt, daßjüdische Aerzte nie und nimmer zu christlichen Patienten zugelassenwerden dürfen ^). Also unter den Augen des siebzehnten Jahrhunderts,als der bluttriefende dreißigjährige Krieg mit der Zuchtruthe dieToleranz einprägte, von Vertretern des Lutherthums eine neue Auf-lage der Concilbeschlüsse gegen Juden aus der westgothischen Zeit!Aber die Zeit war denn doch eine andere geworden. Der KönigChristian IV. von Dänemark, Schleswig und Holstein, der Hort derProtestanten nächst Gustav Adolf, dem Müller sein judenfeindlichesBuch gewidmet hat, gerade er hatte den jüdischen Arzt BenjaminMusaphia zu seinem Leibarzt angenommen^).
In Hamburg selbst hatte Müllers fanatischer Eifer auch nichtden besten Erfolg. Er und die Gesammtgeistlichkeit haben zwar beidem beabsichtigten Bau einer größeren, gemeinsamen Synagoge großenLärm geschlagen und ihm Hindernisse in den Weg gelegt, aber vereitelnkonnten sie ihn doch nicht"). Die Bürgerschaft gewöhnte sich nachund nach an die Juden und lernte sie achten. Einige unter ihnenwurden von hohen, selbst katholischen Potentaten zn Geschäftsträgernoder Residenten ernannt. Der König von Portugal bestimmte zuerstDuarte Nunes da Costa und dann Jakob Curiel als seine
1) Bei Müller luäaisinns S. 1434 —1448.
2) Daß Musaphia Leibarzt Christians IV. war, ist nirgends genügend her-
vorgehoben, vergl. Oarmoly bistoirs äss Mücksoius juil's x. 181. Musaphiawidmete diesem König 1642 seine Schrift über Ebbe und Fluth. Deutlich sagt erin seinem inpn laedr. 1655) Artikel m-D, daß er vor IO Jahren im DiensteChristians IV. gestanden hat: np-mrio N'rm
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Also um 1645 war Musaphia Leibarzt Christians IV., wahrscheinlich noch früher.Denn dis gehässige Abhandlung Müllers über Zuden-Aerzie scheint an Christianadressirt, dem das Buch gewidmet ist, weil er einen so gefährlichen Juden-Arztin seiner Nähe duldete.
°) Reils a. a. O. S. 411 fg.