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Geschichte der Juden.
geht auch auf diese Gründe ein und giebt sich der Hoffnung hin, daßdie portugiesischen Inden, — welche um ihrer Ueberzeugung willen Leben,Ehren, Vermögen und ihre liebgewonnene Heimath aufgegeben hatten— sich in Hamburg zum Christenthum bekehren würden! Das aus-führlich gehaltene Gutachten der Jenaer Facultät^) sieht aus, alshätte es ein Professor der Dominikaner-Theologie ein Jahrhundertvorher zur Zeit Hochstratens geschrieben, und als wäre der Zeigerder Geschichte unverrückt stehen geblieben. Sie könnte die Zulassungder Juden nur gestatten, wenn der Senat ihnen weder öffentlicheSynagogen, noch heimliche gottesdienstliche Zusammenkünfte erlaubenwürde, weil sie darin auf Jesus schmähen, und wer. auf den Sohnschmähe, lästre auch den Vater, und wenn der Rath dieses still-schweigend dulde, würde er sich damit auch der Gotteslästerung theil-haftig machen. Ferner dürfe er nicht die Beschneidung zugeben, nochdulden, daß sie christliche Dienstboten hielten, noch daß sie zu irgendeinem Amte zugelassen würden. Wie die unduldsamsten Päpste wünschteauch die lutherisch-theologische Facultät die Juden zum Anhörenchristlicher Predigten zu zwingen.
Der Senat, der durch diese beiden Gutachten im Ganzen vonder kirchlichen Seite geschützt war, gestattete (Februar 1612) denportugiesischen Juden offen den Aufenthalt in Hamburg, allerdingsmit solchen Beschränkungen, wie sie dem deutschen Geiste oder derdeutschen Engherzigkeit jener Zeit eigen war, die Folgerichtigkeit nachbeiden Seiten hin pedantisch-bedächtig vermeidend. Sie galten eigentlichals Schutzjuden, die jährlich einen Schoß oder Schutzgeld von 1060 Markzu leisten hatten. Auch war ihr Aufenthalt kündbar. Synagogenzu halten wurde ihnen nicht gestattet, auch nicht häusliche Andachtnach jüdischen Gebräuchen, und auch die Beschueidung sollten sie nichtüben; aber sie durften ihre Tobten auf einem eigenen Gottesacker beiAltona, den sich einige Familien zu diesem Zwecke vom Grafen zuSchaumburg gekauft hatten, beerdigen. Es befanden sich damals inHamburg 125 erwachsene Personen marranischer Abkunft, 26 Ehepaareund 73 Unverheirathete und Alte (Kinder nicht mitgerechnet), darunter10 Kapitalisten, zwei Aerzte und drei Handwerkers. Wichtig in den
*) Das. vom 13. Sspt. d. I. das. S. 372 fg.
") Das 1612 aufgenommene Verzeichniß der in Hamburg befindlichen Judenoder Nolls, der portugiesischen Nation oder Nornills der sämmt-lichen allhier residirenden und wohnenden Portugiesen" ist ausdem Archiv mitgetheilt von Nr. Reils a. a. O. S. 376 fg. Diese „Nolls" hatauch negativ-geschichtlichen Werth, z>; wissen, welche Hamburger jüdische Be-rühmtheit 1612 noch nicht daselbst weilte.