Das erste Amsterdamer Rabbinatscollegium. l>
Kreise wirkten; nennen wir bloß des Gegensatzes wegen den kabbalistischwirren Moses Zacuto und den geisteshellen Baruch Spinoza.
Es war kein Glück für die Amsterdamer Gemeinde, daß ihre erstengeistlichen Führer, die einen außerordentlichen Einfluß ausübten, nurmittelmäßige, zum Theil verschrobene Persönlichkeiten waren. Bei dengroßartigen Mitteln, welche dieser ersten holländischen Gemeinde zuGebote standen, bei der vielfältigen Bildung, die in ihr vorhandenwar, und der Hingebung ihrer Mitglieder an das Judeuthum, hättenihre Führer, wenn sie einen freieren Blick, tieferen Geist und Schwungbesessen hätten, Wunderbares zu Tage fordern können. Die Zeit-umstände waren außerordentlich günstig. Sie hätten eine Verjüngungdes Judenthums schon damals anbahnen können. Allein das ersteAmsterdamer Rabbinatscollegium hatte von dem Allem nichts, garnichts. David Pardo scheint gar wenig Bedeutung gehabt zu Habens.Saul Levi Morteira (geb. um 1596, gest. 1660^) stammte wahr-scheinlich von portugiesischen Eltern, war aber in Venedig geboren.Er scheint in seiner Jugend in Begleitung des zu seiner Zeit be-rühmten Arztes Elia Montalto (zuletzt im Dienste der französischenKönigin Maria von Medici) gewesen zu sein. Montalto's Leiche,welche diese Königin mit allen Ehrenbezeugungen von Tours überNantes nach Amsterdam gesandt hatte, begleitete Morteira nächstMose Montalto, des Verstorbenen Sohn, und seinem Oheim Josuade Luna. In Amsterdam wurde Morteira festgehalten und znm
st Die Schriften, welche David Pardo zum Verfasser habe», gehören einemAeltern oder Jüngern dieses Namens an; vergl. Kayserling in Frankels Monats-schrift 1859, S. 388 fg.
st Seine Biographien sind bei sämmtlichen Bibliographen nach de Barrios'Angabe zusammengestellt, namentlich sein Todesjahr. Sein Geburtsjahr ergiebtsich aus folgender Notiz. Seine Jünger, die Editoren seiner Predigtsammlungbms op 2 ), geben in der Einleitung an, er sei zu 20 Jahren nach Amsterdamgekommen, mit der Absicht nach Venedig, seinem Geburtsort, zurückzukehren:OV "wn nmun aviimb nia-u im (ll-nuwvn:) ivbp nop bms 'o
Nach Amsterdam war er, wie de Barrios öfter erzählt, mit der vom französischenHofe dahin gesandten Leiche Elia Montalto's (st. Febr. 1616) gekommen.Folglich ist er geboren 20 Jahre vorher — 1596. Eigen ist es, daß ihn deBarrios nennt: 8aul Llorbsira ^lsiua-u oder äs lllsmauia. Die Sprache,deren sich Morteira bediente, weist ihn aber nach Portugal. Denkbar ist nundiese Bezeichnung, daß ^lsniau Eigen- oder Familienname bedeutet, nichtselten bei sefardischen Juden. Daraus mag Larrios oder ein Vorgängeräs ^äsruauia gemacht haben, als wenn Morteira aus Deutschland stammte,lieber seine meistens handschriftlich gebliebenen Werke geben die Bibliographen,Wolf, Rodriguez de Castro und de Nossi Auskunft, lieber sein Verhältniß zuSasportas s. Note 2.