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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Inden.

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war, siedelten sie sich im Norden an, immer der ausgehenden Cultnrnachziehend. Die Zulassung der Inden in Holland war das erstezitternde Anfdämmern eines Hellen Tages aus nächtlichem Dunkel.Amsterdam, das nordische Venedig, war im Anfang des siebzehntenJahrhunderts ein neuer Mittelpunkt für die Inden geworden; sie nanntenes mit Recht ihr neues, großes Jerusalems. Diese Stadt wurdemit der Zeit eine feste Arche in der neuen Sündfluth für den jüdischenStamm. Mit jedem Jnquisitionsprocesse in Spanien und Portugalwegen des Judaisirens der dortigen Marranen, mit jedem Scheiter-.Haufen für Ueberführte und Verdächtige vermehrte sich die Mitglieder-zahl der Amsterdamer Gemeinde, als hätten es die Fanatiker daraufangelegt, die erzkatholischen Länder zu entvölkern und arm zu machen,um die ketzerischen Staaten der Niederlande zu bevölkern und zubereichern. Die über vierhundert portugiesischen GemeindegliederAmsterdams besaßen bereits in diesem durch sie zur blühenden Handels-stadt erhobenen Platze dreihundert stattliche Häuser und Paläste. Siebetrieben meistens mit ihren bedeutenden Kapitalien den Handel imgroßen Style, waren bei der ostindischen und westindischen Compagniebetheiligt oder leiteten Bankgeschäfte. Dem Wucher aber, der die Indenanderer Länder so sehr verhaßt machte, waren sie abgesagte Feinde.Von dem Umfange ihrer Kapitalien und des Umsatzes giebt dieSynagogensteuer, die sie sich selbst aufgelegt haben, einen annäherndenBegriff. Von jedem Pfund der von ihnen nach auswärts versandtenund empfangenen Maaren pflegten sie einen Deut zu steuern, und dieseSteuer betrug jährlich beinahe 12000 Francs (3000 Thlr.). Dabeiwaren nicht die Einnahmen berechnet, welche den Betheiligten von derHandelskompagnie zuflossen^j.

Doch nicht um ihrer Reichthümer willen allein nahmen sie eineangesehene Stellung in der neuen batavischen Handelsstadt ein. Dieeingewanderten Marranen gehörten meistens dem gebildeten Standean, hatten in ihrer Rabenmnlterheimath Spanien oder Portugal eineStellung als Aerzte, Rechtsgelehrte, Staatsbeamte, Offiziere oderGeistliche eingenommen, waren daher meistens ebenso der lateinischenSprache und der Literatur, wie der schönen Wissenschaften kundig und ge-wandt in den Umgangsformen der Gesellschaft. In den Niederlanden,damals dem gebildeten Theile Europas, deren Staatsmänner die Be-rufung Scaliger's, des Fürsten der Gelehrsamkeit, an die Universitätvon Leyden als eine hochwichtige Angelegenheit behandelten, in diesem

Z Schudt, jüd. Merkwürdigkeiten I. 271.

ch Manasse b. Israel, Adresse an Cromwell, Uebers. p. 152.