von Bleidenbach aus, obwohl sein Name gar nicht darin genannt, auch nichteinmal darauf angespielt wird, daß bereits durch seine Thätigkeit der Leibzolltheilweise aufgehoben wurde. Der Hauptinhalt des mit hebräischen Lettern ge-druckten Aufrufs sei hier wiedergegeben.
„Bei all den widrigen Schicksalen, welche über unsere unglückliche Nationseit so vielen Jahrhunderten verhängt waren, und bei allem Druck, den wirbisher erlitten — und, leider noch leiden — war dies das Einzige, was unsereExistenz erhalten, daß nämlich zu allen Zeiten und bei allen Epochen würdigeMänner aus unserer Mitte aufgestanden, die zur Rettung und Erleichterungunseres Druckes gewußt haben, den Gemeingeist der gesammten Nation zur
thätigsten Theilnahme und Mitwirkung aufzumuntern und zu beleben.
Ein Gegenstand dieser Art ist der lästige, als traurige, uns bis zum Viehherabwürdigende sogenannte Judenleibzoll; er verachtet und schmäht denWürdigen und Vornehmen, plagt den Reichen, drückt den Armen, quält undpeinigt den Dürftigen".
. . . „Ein Herzog von Braunschweig, die sämmtlichen Fürsten von Hohenlohe,das fürstliche und gräfliche gesammteHaus Isenburg sind es, welche diese entehrendeAbgabe bereits auf immer abgeschafft, und der große Kurfürst und Erzkanzlervon Mainz, welcher nicht minder für die gänzliche Abschaffung dieser Belastung ist,und auch wirklich diese Abgabe in der Stadt Regensburg aufgehoben hat . . . ."
„Es erfordert nicht nur Reisekosten, Spesen, fähige Arbeiter und dergleichen.Es erfordert zuverlässig, daß wir hier und da ein Opfer aus dankbarem Gefühlfür Arme oder Armenkassen offeriren, erfordert billig für jene edelmütigenFürsten auch schöne Denkmäler zum ewigen Andenken ihres Edelmuthes zu stiften,es erfordert also eine Kasse.
„Einer eurer Brüder, aufgefordert von einem großen und ansehnlichen Theilunserer Nation, ist es, der um Beiträge zu dieser schönen und löbliche» Stiftung,zur Bestreitung obiger Kosten und Opfer — such allsammt, als Menschen, alsKaufleute und als Familienväter auffordert".
Wie Scheppler mittheilt, wurde Breidenbach, „nachdem er vorher in einembündigen Aufruf seine Glaubensgenossen von seinem Entschlüsse benachrichtiget,von sämmtlichen oder doch vielen Judengemeinden in Teutschland nun als An-wald, als Syndikus ihres ganzen Aggregats ernannt und bestellt" (das. S. 80,81). In der Urkunde von der Dalberg'schen Regierung wird Breidenbach als„Vertreter seiner Nation" bezeichnet. Seit der Zeit mehrten sich die Fällevon Aushebung des Leibzoll's. Der Fürst von Homburg, ck. ck. l. Nov. 1803,bemerkt ausdrücklich, daß er ihn erläßt in Folge der Supplik des „Kurfürst!.Hessischen Hoffaktors und Fürstlich Jsenburgischen Hof- und KammeragentenBreidenbach" (bei Scheppler Urkunde XIV). Am 19. Januar 1804 erließ Dalbergden Leibzoll für Aschaffenburg, mit besonderer Anerkennung von Breidenbach'sBemühung (a. a. O.). Nach Scheppler (das. 83) hob derselbe ihn im ganzenKurstaate auf. Die Aufhebung in der Herrschaft Schömberg geschah ebenfallsauf Breidenbach's Verwendung (Urkunde XIX). Selbst das egoistische Patricier-Regiment von Frankfurt hob auf seine Bittschrift den Leibzoll auf, 24. August1804 (XX), und Darmstadt (19. Januar 1805) zeigt es „dem hierorts anwesendenHoffaktor Breidenbach" an (XXII); dort betrug die jährliche Einnahme davon25—28000 fl. Als Scheppler seine Abhandlung schloß (März 1805) stand dieAufhebung bevor an den fürstlichen Höfen von Nassau-Usingen, Nassau-Weilburg