Druckschrift 
11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
Entstehung
Seite
571
Einzelbild herunterladen
 

Note 5.

571

Wolsenbüttel, beschrankt. Thätiger verfolgte die Fnßtapfen diesesMannes der kurhessische Hoffactor und Fürstlich Jsenbnrgische Hof- und Kammer-Agent Herr Breidenbach. Dieser sing aus eigenem Antriebe im Jahre18t>3 an für das ganze Aggregat seiner Glaubensgenossen in Teutschlandum die unbedingte Aufhebung des Judenleibzolls an alle teutscheHose, wo diese Abgabe noch existirt, mit bittlichen Vorstellungen sich zu wenden,und soll wirklich in Teutschland als ihr Anwald und Stellvertreter be-vollmächtigt sein. Dieser wackere Mann hat mich .... mit dem Geiste und Fort-gang seiner eifrigen Negotiationen bekannt gemacht, fundf mir die verschiedenenResultate derselben mitgetheilt". So weit Scheppler.

Weil sich Jacobson stets in den Vordergrund drängte, Breidenbach sichaber hinter der Scene hielt, ist Jenem das Verdienst beigelegt worden, dasDiesem gebührt. Breidenbach verdient demnach eineRettung" und seinen ge-bührenden Ruhm in den Augen der Nachwelt, der um so glänzender erscheint,als er nicht die Beimischung von Eitelkeit hat. Das Wenige, was über ihnbekannt ist, soll hier zusammangestellt werden: hoffentlich werden sich Nachfolgerangeregt fühlen, es zu vermehren.

Vorher soll indessen der geringe Antheil, welchen Jacobson an der Aushebungdes Leibzolls hatte, hier urkundlich angegeben werden. In der Urkunde von Braun-schweig, betreffend die Aufhebung des Leibzolls (bei Scheppler a. a. O. UrkundeNo. IX) vom 23 April 1803, ist Jacobson's Name, als Anregers gar nicht er-wähnt, auch nicht in der von Baden, (i. ck. 20. Januar 1804 (das. No. XVII).Nur Scheppler bemerkt (das. S. 84), daß es in Badenvorzüglich auf die Ver-wendung des Herrn Israel Jacobson" geschehen sei. Dagegen nennen vieleUrkunden Breidenbach, als den, durch dessen Vorstellung der Leibzoll abgeschasftwurde.

Durch die Freundlichkeit des Herrn Ilr. Formstecher in Offenbach, denich um Auskunft bat, bin ich im Stande, Breidenbach's Biographie zu geben,die nicht uninteressant ist. Ich gebe sie hier wörtlich, wie derselbe sie mir init-getheilt hat:Wolf Breidenbach starb hier (in Offenbach) in der Nacht znm28. Februar 1829: n"- und wurde nach der Aussage seiner

Kinder 78 Jahr alt, demnach I7S1 geboren, in dem Dorfe Breidenbach beiHessen-Cassel. Als junger Mann kam er arm nach Frankfurt a. M, wo er alsgeistvoller mna durch Gaben und Freitische sich den rabbinischen Studien widmete.Doch bildete er sich heimlich auch in profanen Wissenschaften ans und kauftesich zuweilen für seine ersparten Kreuzer ein deutsches Buch. Als Meister imSchachspiele kaufte er sich einst bei seinem Buchhändler Philidor'sUnterrichtim Schachspiele" in Gegenwart eines gerade im Buchladen anwesenden sehrreichen Barons (oder Grafen?), welcher sich nach seiner Entfernung nach ihmbei dem Buchhändler erkundigte und von letzterem erfuhr, daß er als der besteSchachspieler in Frankfurt gerühmt werde. Breidenbach wurde znm Baron ge-laden und wußte durch sein geschicktes Spiel und sein geistreiches Benehmennach und nach dessen Gunst so sehr zu gewinnen, daß er sich bei demselben vomSpielgenossen zum vertranten Freunde emporschwang. Mit der edelsten Treueund Gewissenhaftigkeit besorgte er dessen Geldgeschäfte und erhielt zuletzt vondemselben als Darlehen eine bedeutende Summe, um selbstständig seine Lauf-bahn als Geschäftsmann zu betreten. Außer seinem Wechselgeschäft betrieb erbesonders einen bedeutenden Handel mit Juwelen und Schmuckgegensländen,wodurch er sich den Zutritt zu den Höfen kleiner Fürsten bahnte. Durch Em-pfehlungen und durch seine strenge Rechtlichkeit wurden ihm auch die Pforten