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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

die Schriften von Paalzow und Grattenaner. Diese Schriften sind meinesWissens noch nicht zusammengestellt worden. Sie bilden mit den Gegenschrifteneinen Cyclus von 28 Piecen sVgl. jedoch S. 567 ff., wo jetzt 48 anfgezählt sind),obwohl Sch eppler deren nur zehn auszählt (S. 93), und ich weiß nicht, ob miralle zu Gesichte gekommen sind. Wolfssohn bemerkt im Eingänge zu seiner Apologie:Wahr ist's,daß seit einiger Zeit in Berlin viele und in Breslau einige Schmäh-und Spottschriften gegen die Juden herausgekommen sind". Daß sie gegen dieEmancipation im Staate gerichtet waren, beweist gleich No. I, 1. Aber auchgegen die Anerkennung der Juden in der Gesellschaft wollten sie polemisiren; dasgeht aus einer Nachricht hervor, daß eine hochgestellte Persönlichkeit die ersteLästerschrift bei Grattenauer bestellt hatte. Wolfssohn nennt (x. 19) als Jn-stigatoren derselben, den Geburtshelfer D. F., den Pathen L. Z. und dieKinderwärterin I. W. S. Der Salon der Henriette Herz und der Rahel Levin,welche Vielen in die Augen stachen, gab Veranlassung dazu. Ein Umschwungder Zeit ist in dem Umstande zu bemerken, daß die Juden auf christlicher SeiteVertheidiger fanden und noch mehr, daß die Juden selbst sich ihrerHaut wehrten.

Ueber die Bewegung, welche die Pamphlet-Litteratur hervorbrachte, giebtfolgender Artikel aus dem Freimüthigen (1804, No. 143) einen Begriff.

Litterarische Nachrichten.

Berlin. In der letzten Leipziger Messe erschien eine Broschüre unter demTitel:Wider die Juden, eine Warnung an meine christlichen Mitbürger",die eine lange Reihe aller Abscheulichkeiten und Schandthaten, deren sich dieKinder Abrahams seit 5 Jahrhunderten schuldig gemacht haben sollen, enthält.Unglaublich war der Abgang des Merkchens, und in wenig Wochen erlebte esschon die dritte Auslage. Itr. Aronssohn nannte den Verfasser, HerrnGrattenauer in Berlin, und er übernahm die Vertheidigung der Juden.Auch Ben David, bekannt aus verschiedenen philosophischen Schriften, kündigteeine Apologie seiner Nation an. Grattenauer zankte sich dagegen weidlich mitAronssohn über die Bekanntmachung seines Namens und erließ eine zweiteBroschüre:Erklärung an das Publikum, über seine Schrist wiver dieJuden". Der Kammer-Assessor Kosmann trat auf und schrieb eine Ver-theidigung der Verfolgten unter dem Titel:Für die Juden", ein Wort zurBeherzigung an die Freunde der Menschheit und an die wahren Verehrer Jesu".Noch jemand edirte ein Merkchen:Ueber die Juden und ihre Feinde".Ein anderer verfaßte ein:Sendschreiben eines Christen an einenBerliner Juden über den VerfasserWider dis Juden", ein Dritter schriebdenJudendoktor" und ein Vierter untersuchte die Frage:Juden, sindsie der Handlung schädlich?" gegen welche letztere dann eine andereSchrift:Blinde Kuh in der Handlung", gerichtet ist.

Endlich erschien wegen dieses Streites über eine, man sollte glauben, durchdie Vernunft und das Christenthum längst entschiedene Sache, folgende

Obrigkeitliche Bekanntmachung.

Der Unfug, der seit einiger Zeit durch Druckschriften wider und für dieJuden und deren Verkündigungen durch die öffentlichen Blätter veranlaßt undgetrieben worden, macht es nothwendig, hiermit auf Befehl eines hohen General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domainen-Direktoriums festzusstzen und bekannt zumachen: Daß zur Steuerung dieses Unfuges die ernsthaftesten Vorkehrungen ge-troffen sind. Besonders ist es verfügt worden, daß Schriften dieser Art nicht