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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Fortschritt der jüdischen Wissenschaft. 529

beachtet i), zum Zeugen angerufen, daß es noch vor dem Talmudeinen Talmud gegeben habe 2). Noch wichtiger war es, daß demTalmud abgelauscht wurde, wo seine starke Seite ist, in der Aeußerungseiner Rechtsbegriffe und in seiner Rechtsentwicklung ^). Hier konntedie Ueberlegenheit des talmudischen Strafrechts über die Gesetzgebungender alten Zeit nachgewiesen werden. Die wissenschaftliche Behandlungdes Talmud führte zu dem Ergebniß, daß das Judenthum sich seinernicht so sehr zu schämen brauchte.

Aber das Judenthum mit seinen Trägern blieb eine unentzifferbareHieroglyphe, ein dunkles Räthsel, das ein Jahrhundert dem andernungelöst überlieferte, so lange derUrsels" nicht erkannt war,ansdem es ausgehauen, die Vertiefung, aus der es ansgehöhlt wurde".Nur die gründliche, unbestreitbare Erkenntniß des Ursprunges, derheiligen Urkunden, konnte das richtige Wort der Lösung geben. Jahr-tausende waren verronnen, und die Enträthselnng war noch nicht ge-funden. Nachdem die heilige Schrift, als Mutter zweier oder dreierReligionen, so lange über die Maßen vergöttert worden war, daß sieals dasAlles in Allem" galt, und in ihr die Aufschlüsse über Leben,Natur und Geschichte gesucht wurden, war sie seit der Mitte desachtzehnten Jahrhunderts in Mißachtung gerathen. Sie theilte dasGeschick des jüdischen Stammes. Es ist buchstäblich wahr: der Juden-haß des deutschen Volkes, in dessen Mitte die Bibelforschung die eifrigstePflege gefunden hatte, wurde auch auf das Erbe des jüdischen Stammes,auf die biblischen Urkunden, übertragen. Es sollte nun einmal beiden Juden nichts gefunden werden, was irgendwie vortrefflich erscheinenkönnte. Die Schleiermacher'sche Schule hatte das alte Testament vomneuen ganz getrennt und den Zusammenhang zerrissen. Die vernünftelnde(rationalistische) Schule schenkte zwar den hebräischen Urkunden vielAufmerksamkeit, aber nur zu dem Zwecke, um deren Werth zu ver-kleinern. Eichhorn, Gesenius, v. Bohlen, de Wette, Tuchwaren von Antipathie gegen die Juden eingenommen, und diese hindertesie das rechte Verständniß der heiligen Litteratur zu finden. DieKirchlichgesinnten, Tholuck und Hengstenberg, die Tonangeber inder protestantischen Welt, suchten darin nach falschem Glanze undstrichen, was sie entdeckten, für das Christenthum ein. Im jüdischen

U Ter erste Versuch war von L. Philippson, Ezechiel und Philo,Berlin, 1830.

2) Frankel, Vorstudien zu der Septuaginta. Leipzig, 1841.

2) Derselbe, der gerichtliche Beweis nach mosaisch-talmudischem Rechte, einBeitrag zur Kenntnis; des mosaisch-talmudischen Criminal- und CivilrechtsBerlin, 1846.

Gractz, Geschichte der Juden. XI.

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