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Geschichte der Juden.
Kreise waren es nur drei, die sich wissenschaftlich eingehend mit derEntzifferung der heiligen Schrift beschäftigten: Krochmal, Luzzattound Sachs; aber sie haben sich in scheuer Ferne gehalten, um nichtbis zum Sinai vorzudringen. Erst einem kindlichen Gemüthe ist esgelungen, den Schleier halb zu lüften, die Sprache der Propheten undPsalmisten tiefer verständlich zu machen und die Urgeschichte des jüdischenVolkes im rechten Lichte zu zeigen. Mit dem Erscheinen „derPropheten des altenBundes" und „der Geschichte des VolkesIsrael" von Heinrich Ewald 1843 — 1847 war eine neue Bahnzum Verständniß des hebräischen Geistes und Volkes eröffnet. Das langedunkel gebliebene Räthsel kam wenigstens durch das Auffinden desSchlüssels seiner Lösung näher. „Die Völker des Alterthums: Baby-lonier, Inder, Egypter, Phönicier, Griechen, Römer verfolgten jedesnur eine besondere Bestrebung unter günstigen Verhältnissen bis zueinem höchsten, zum Theil von den Späteren nicht wieder erreichtenGipfel... Das Volk Israel dagegen hat sein Augenmerk vom Anfängeseines geschichtlichen Bewußtseins an so deutlich erblickt und so mächtigerstrebt, daß es auf die Tauer sich nicht davon entfernen konnte und nachjedem augenblicklichen Stillstände es desto beharrlicher verfolgte: DasZiel ist die vollkommene Religion. . . Die Geschichte dieses alten Volkesist im Grunde die Geschichte der durch alle Stufen bis zur Vollendungsich ausbildenden wahren Religion". Der Kerngedanke dieser neuen,hoffnungsreichen Schule ist, daß der aus Abrahams Samen hervor-gegangene Stamm in der That und Wahrheit ein „Volk Gottes" ist,das der Erde Heilswahrheiten in Fülle gebracht hat. Die Entfaltungdieser Wahrheiten zeige sich im Geschichtsgange und im Schriftthumeder Israeliten.
Aber in demselben Maße, wie Ewald die Israeliten als Schöpferdes alten und neuen Testaments verherrlichte, verachtete er ihreNachkommen, die Juden, und wollte sie ans der christlichen Gesellschaftausgeschlossen wissen. Dagegen hat ein Staatsmann und Roman-schriftsteller ersten Ranges den Juden gerade wegen ihrer glorreichenAbstammung eine hohe Bed ntung beigelegt. Benjamin d'Jsraeli,später als leitender Staatsmann von England Lord Beaconsfieldgenannt, war der Sohn eines Juden, der ans einem gewissen Trotz mitseiner Familie zum Christenthum übergetreten war. D'Jsraeli-Beacons-field dagegen verhehlte es nicht, daß er stolz auf seine jüdische Abstammung.
*) H. Ewald, Propheten des alten Bundes (Stuttgart 1840—1811 in 2Bänden; neue Bearbeitung Göttingen 186k — 1868 in drei Bänden) und Ge-schichte des Volkes Israel in drei Bänden, Göttingen 1843—47; 3. Ausgabein 7 Bänden 1864—1868.