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Geschichte der Juden.
hatte, fühlte sich durch Holdyeim gelaugweilt. Ein Bergleich zwischenSachs und seinem Widerspiele Holdheim fiel stets zu Gunsten desElfteren aus. Während der Tempel in der Johannisgasse immer mehrverödete, füllte sich die Synagoge in der Heydenreutergasse von Wochezu Woche mehr.
Wie zur Hebung und Befestigung des jüdischen Hochgefühls, sotrug Sachs auch zur Förderung der jüdischen Wissenschaft bei. SeinBeitrag war aber mehr formeller, als Wesenhafter Art. Er hat sieeigentlich nur vorstellungsfähig und für gebildete christliche Kreise zu-gänglich gemacht. Er verlieh ihr einen poetischen Schimmer oder auchein romantisches Halbdunkel. Sachs hat zwar keine bahnbrechendenWahrheiten in die Welt gesetzt, auch nicht als Forscher und Entdeckerneue Thatsachen ins Licht gezogen. Er war eben so wenig eindichterischer Künstler, um leuchtende Gebilde oder ideale Welten zuschaffen. In seinem Leben und Lehren war mehr Poesie als in seinenVersen. Er konnte nur, was andere Künstler gestaltet hatten, fein-
fühlig bis in die unmerklichen Schattirungen nachempfinden und ver-anschaulichen und was andere Forscher entdeckt hatten, vergolden. Amentschiedensten war der Zug seines Geistes auf die auslegende Ver-klärung der heiligen Schrift gerichtet. Seine begeisterte Liebe zumJudenthum und zu dessen Urkunden, seine tiefe Kenntniß des Hebräischen,das in ihm wie eine traute Herzenssprache lebte, und endlich seinephilologisch-ästhetische Feinfühligkeit trafen in diesem Punkte zusammen.Frühzeitig faßte er daher, diese Aufgabe ins Auge und hielt sie bisan sein Lebensende fest, der heiligen Litteratur in hebräischer Ge-wandung ihren unverfälschten, ursprünglichen Sinn wiederzugebeu undsie von dem Wüste und der Schändung zu befreien. Er begann, an-geregt vom Beispiele Rückerts, „des westöstlichen Dichters, des sprach-gewaltigen Meisters im Uebersetzen und Auslegen," mit den Psalmen *),die seinem frommen Herzen verwandt waren. Er machte den Versuch,„eine wissenschaftliche, philologisch strenge Auslegung derselben zu liefernund eine rationale grammatische und lexikalische Behandlung derhebräischen Sprache" anzubahneu. Er war besonders bemüht, in derdeutschen Uebersetzung den hebräischen Geist und die poetische Urformdurchscheinen zu lassen. Später hat Sachs, mit mehreren Mitarbeiternvereint, zur „Bibel für Israeliten" mehrere Bücher der heiligen Schriftgeschmackvoll übersetzt?). Aber weil er daran mehr mit dem Herzen
Die Psalmen, übersetzt und erläutert von M. Sachs. Berlin, 1835.
2 ) Die unter dem Namen des Redakteurs Zunz erschienenen, „24 Bücher derheiligen Schrift übersetzt", Berlin, 1837—1838 sVgl. Rosin's Abhandlung inder Monatsschrift für Gesch. u. Wissensch, des Judsnthums, Jahrg. 38 (1894),S. 5V4 ff.)