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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Michael Sachs.

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Bildungsganges in das Verhältniß inniger Freundschaft trat, wnrdSachs in das reiche jüdische Schriftthum eingeführt, das ihm bisherwegen seiner Hingabe an die Ergründung der heiligen Schrift und andie klassische Litteratnr nur halb erschlossen war. Mit seiner Begabung,das Kernige nnd Vortreffliche lebendig nachznempfinden und es inseine Geisteskammern aufznnehmen, beherrschte er bald diesen ihm zn-geführten Stoff und veredelte ihn künstlerisch für einen großen Kreis.Nnr mit der talmndischen Dialektik, der starken Seite Holdheims,konnte Sachs nicht recht vertraut werden, sie blieb ihm stets halbfremd. Er bedauerte diesen Mangel seiner Kenntnisse schmerzlich. Eswar aber kein Mangel, denn diese Kenntnisse paßten nicht zu derhellenischen Seite seines Wesens; sie hätten die Blüthe seines Geistesmit Mehltau überzogen. Als wäre er von der Vorsehung berufen,der jüdisch-deutschen Kirche, die in Berlin eine faßbare Gestalt an--nehmen sollte, entgegenzuwirken nnd einen Gegenpol zu Holdheim'sewiger Verneinung zu bilden, wurde er von der Gemeinde dieser Stadtzum Prediger und Beisitzer des Rabbinats gewählt. Hier gelang esihm, das volle jüdische Selbstgefühl, das ihn beseelte, und den gerechtenStolz, einem so alten, so edlen, bildungsfähigen Stamme anzugehören,der Gemeinde einzuflößen und sie von der Nachäfferei, an der sie solange kränkelte, theilweise zu heilen. Diese Umwandlung, welche bisin die entferntesten Kreise drang, löste von der Berliner Judenheitdie Antipathie, welche seit den Zeiten Friedländers gegen sie bei den aus-wärtigen Gemeinden herrschte. Sachs wurde den hervorragendsten Per-sönlichkeiten der Preußischen Haupstadt beigezählt; die gebildete christlicheWelt schenkte ihm große Aufmerksamkeit, ohne daß er sie gesucht hätte.Hätte er mit Thatkraft und Rührigkeit seinen Worten Nachdruck ge-geben und dauernde Schöpfungen ins Leben gerufen, wozu ihmdie freigebige Berliner Gemeinde bereitwillig Mittel zu Gebote gestellthätte so wäre vielleicht die Reformgemeinde nicht entstanden.

Selbstverständlich bekämpfte er die Reformrichtung mit seinerganzen Kraft. Er sah in Holdheim nnd dessen GesinnungsgenossenFälscher des Judenthums und Volksverführer; er that es offen.GegenSchimpf nnd Unglimpf war er gehärtet und gleichgültig", wie er sooft sagte. Namentlich von der Kanzel herab schwang er die Geißelseines vernichtenden Spottes gegen die jüdisch-deutsche Kirche, welchedie Fülle des Jndenthums von allen Seiten so beschnitten hatte, daßes in einer Nußschaale Raum hatte. Selbst seine Gegner gestandenihm zu, daß er sich stets nur ehrlicher Waffen bediente: andere zu ge-brauchen, widerstrebte seiner edlen Natur. Großen Schaden fügte erallerdings dem Reformtempel zu. Wer Sachs auf seiner Kanzel gehört