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Geschichte der Juden.
zu verbinden. - Sachs hätte sich freudig Führern untergeordnet, derenGeisteshöhe ihm Hochachtung abgezwungen hätte. Da er Solche aberunter seinen Zeitgenossen nicht fand, so mochte er auch nicht mit denMännern Hand in Hand gehen, die sein eigenes Maaß nicht über-ragten oder nicht einmal erreichten. Gegen Solche hegte er eben soviel Mißtrauen, wie gegen sich selbst. So war er eben so wenigtauglich zum Parteiführer, wie zum Parteigänger.
Sachs' große Vorzüge und kleine Fehler wiesen ihm den Platzan, auf dem er die ganze Kraft seines Geistes entfalten konnte; er warnur für die Kanzel geschaffen. Der überströmende Fluß seiner Beredt-samkeit, die Tiefe seines Gemüthes, die Wärme seiner Ueberzeugung,die Anmuth aller seiner Bewegungen, der Zauber, den seine Persön-lichkeit ausströmte, wenn er als Dolmetsch der Propheten und Aga-disten dastand, der treffende Witz, der ihm zu Gebote stand, der Wohl-klang seines Organs, die Formenglätte seiner Sprache, kurz jeder Zugan ihm machten ihn zum unübertroffenen Kanzelredner seiner Zeit,und er hatte nur an Mannheimer in Wien einen Ebenbürtigen. Dochwar seine Predigtweise grundverschieden von der des bewundertenVolkspredigers Wiens. Sachs war auf der Kanzel selbstvergessen undverklärt; man glaubte einen der prophetischen Gottesmänner zu hören,wenn sie das Gewissen des Volkes aufrüttelten oder die Verzagtendurch die Verkündigung einer idealen Zukunft aufrichteten. Selbstsolche Zuhörer, die seine Ueberzeugung nicht theilten, riß Sachs fürden Augenblick fort und erzwang ihre Bewunderung. Man hörte esihm an, daß der Fluß seiner Rede nichts Gemachtes und Gekünsteltesan sich hatte, sondern aus dem tiefen Springquell eines reichen Innernströmte. Er war aber nicht bloß auf der Kanzel ein überwältigenderRedner, sondern auch im Zwiegespräche, in alltäglicher Unterhaltung.Auch da floß sein Mund über von dem, dessen sein Herz voll war.Sein Wort, das eins war mit seinem Wesen, hat dem Judenthumviel treue Anhänger zugeführt. Wer in seine Nähe kam, war in einenZauberkreis gebannt und nahm etwas von seinen Ueberzeugungen au.Er wirkte um so nachhaltiger, weil er es nie darauf anlegte, sondernharmlos sich selbst gab. Nichts war ihm verhaßter als steife Amts-würde, geistliche Salbung und das von Außen eingeführte Seelsorgerthum.
In Prag, wo er zuerst in vollem Mannesalter mit dem Zauberseines Wortes, der Anmuth seines Wesens und der Gewalt seinerjüdischen Ueberzeugung alle deutschredenden Einwohner, Christen wieJuden, bis zur Berauschung begeisterte, führte ihn ein günstiges Geschickmit einem der Begründer der jüdischen Wissenschaft, mit Rapoportzusammen (1840—44). Von ihm, zu dem er trotz des verschiedenen