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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Michael Sachs.

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Vermöge seiner eigenen Natur und des zwiefachen Zuflusses fürsein Inneres aus der hebräischen und griechischen Welt wurde Sachseine ideale, lautere Persönlichkeit, wie Gabirol und Jehnda Halevi, diesich nur auf den lichten Höhen des Lebens wohlbefand, und vor derNiedrigkeit einen physischen Ekel empfand. Keine Zwiespältigkeit warin seinem Wesen; Fühlen, Denken und Thun war bei ihm ans einemGusse. Darum war er so unerbittlich scharf gegen Falschheit, Zwei-deutigkeit und Gleißnerei, gegen jede Schaustellung und jedes Gepränge,gegen die aufgeblasene Hohlheit und Eitelkeit, und züchtigte sie mit derGeißel seines Wortes und seines treffenden sprudelnden Witzes. Edel-herzig und hingebend bis zu leichtsinniger Selbstaufopferung, demüthigvor Gott und vor Menschen, die den Stempel des Göttlichen an sichtrugen, war Sachs abstoßend stolz gegen diejenigen, welche in Religion,Kunst, Wissenschaft oder öffentlicher Thätigkeit Falschmünzerei triebenund ihre selbstsüchtigen kleinen Interessen mit dem Schein allgemeiner,großer Zwecke verhüllten. Wenn Sachs mit seiner Gesinnung, seinemCharakter, seinem sittlichen Ernst, seinem Pflichtgefühl und seiner Ent-sagungsfähigkeit, im ungetheilten Leben für seine Ueberzeugung durch-gängig judäisch war, so war er mit seinem Formensinn und seinemtiefen Schönheitsgefühl hellenisch, und widerlegte mit seiner Person dievon Heine aufgestellte angebliche Unverträglichkeit dieser beiden Naturen.Das Unschöne, Formlose, Unebenmäßige widerstebte ihm eben so sehr,wie das Unsittliche und Falsche. Sachs war durchaus kein Räthsel,und diejenigen, die ihn räthselhaft fanden, haben seine harmonischeGröße in leiblicher Erscheinung mißverstanden.

Das Judenthum war seinem Herzen das Theuerste, weil er esals Offenbarung eines die Menschheit leitenden Gottes betrachtete, undweil es ihm der Inbegriff alles Hohen und Heiligen war; er ließ essich nicht durch die Zeitphilosophie wegklügeln. Die häßlichen Aus-wüchse an der Erscheinung desselben übersah Sachs nicht, er kannteaber auch ihren Ursprung und glaubte, daß die Zeit, die sie angesetzthat, sie wider wegzehren würde. Selbst Hand daran anzulegen, dazuwar er zu bedenklich, um nicht beim Ausscheiden des Siechen undFaulen Gesundes zu verletzen. Er traute sich und Anderen keine Be-rechtigung zu, diese Ausscheidung vorzunehmen. Zum Theil stammteseine Bedenklichkeit gegen jede tiefer gehende Reform aus seiner Scheuvor jedem thatkräftigen Eingreifen ins Praktische, das ein Fehler anseinem Wesen war. Warum sollte er als Mensch nicht auch seineFehler gehabt haben? Ein Fehler war es auch, der sich an ihm undder Sache, die er vertrat, rächte, daß er ^ eine unüberwindliche Ab-tneignng hatte, sich mit Gesinnungsgenossen zu gemeinsamer Thätigkeit