Die Berliner Reformgeiiosseiischaft.
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dienste sichtbar, im Leben sind die Gemeindemitglieder durch nichts alsAbkömmlinge des jüdischen Stammes wiederzuerkennen. Holdheimhatte vielleicht noch mehr als die freigesinntesten Mitglieder allesjüdische Wesen mit einem gewissen Fanatismus vertilgt wissen wollen.Nicht bloß über das rabbinische Judenthnm und über den Talmud,sondern auch über die Verpflichtungen, die ans der heiligen Schriftstammen, setzte er sich hinweg. Indessen zeigte sich auch in der Reform-gemeinde, daß das jüdische Selbstgefühl seit Friedländer bedeutendeFortschritte geinacht hatte. Die Reformgenossenschaft hatte das Lieb-äugeln mit dem Christenthum völlig überwunden. Von ihren Mit-gliedern, die 1000 Seelen zählten, ist, wie behauptet wird, keines, undauch von ihren Kindern keines zur Kirche übergetreten ^s. Sie willdurchaus nicht als gesonderte Sekte gelten, vielmehr in inniger Teil-nahme und im Zusammenhang mit dem jüdischen Stamme bleiben.
Die Berliner Reformgenossenschaft blieb indeß vereinzelt und fandin Europa gar keinen Anklang, mehr jedoch in Amerika. Denn hierbildeten sich seit den vierziger Jahren Gemeinden, deren Mitgliederaus verschiedener Herren Ländern, besonders aus Bayern, Böhmen,West-Deutschland und aus dem Posen'schen stammten, und welche untereinander keinen Zusammenhang hatten. Sie gruppirten sich nicht umeinen festen Kern, wechselten vielmehr stets durch Zufluß und Abflußund waren nicht au fortgeerbte Traditionen alter Gemeinden und auRücksichten gebunden. Fand sich ein Prediger von der Holdheim'schenRichtung in einer verfließenden Gemeinde, und setzte er seinen Eiferein, durchgreifende Reformen eiuzuführen, so fand er wenig Widerstand,oder es bildete sich neben dieser Gemeinde eine andere mit wenigenoder gar keinen Reformen. Auch im eigenen Schooß der BerlinerReformgemeinde hat sich Lauheit schneller eingestellt, als selbst ihreGegner erwarten konnten. Aus Mangel an Betern mußte der Sabbat,der wie bei den Judenchristen der ersten Jahrhunderte neben demSonntag gefeiert werden sollte, ans diesen allein beschränkt werden.Wie es mit dem Besuche des Sonntagsgottesdienstes steht, gebührtnicht mehr der Geschichte zu erzählen; es gehört der unmittelbarenGegenwart an. Diese Lauheit und geringe Theilnahme, welche dieSchöpfer selbst erlebt haben, hätte sie darauf führen müssen, daß inihrer Berechnung irgend ein Fehler stecken müsse. Diesen Fehler inseiner ganzen Tiefe aufzudecken, steht eben so wenig der Geschichte zu;sie würde ihre Befugnisse überschreiten, nur die Geschehnisse aufzu-zeichnen. Aber einen Umstand darf sie nicht verschweigen, daß die
U Stern, a. a. O. L. 298.