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Geschichte der Juden.
hatte, machte er sich nur zu dem Zwecke zu eigen, um Verse darausfür Predigten verwenden zu könne». Es ist nicht Jedermann gegeben,Ideale zu haben und sie zur Richtschnur seines Verhaltens zu machen;es muß auch trockene, nüchterne, verneinende Naturen geben, welchenur für die Wirklichkeit Sinn haben, sich hienieden Hütten bauen undfür den Hochflug einer idealen Richtung nur ein verächtliches Achsel-zucken haben, und ihn für Schwärmerei und Narrheit halten. Solchemephistophelische Naturen, die den Geist der Verneinung verleiblichen,sind für die Sphäre des sittlichen Lebens eben so nothwendig, wie derGegensatz in der Sphäre des natürlichen. Holdheim's Wesen hatteeine solche Richtung des Geistes, und sein talmudischer Bildungsganghatte sie genährt und großgezogen. Er kannte keine Schwärmerei,weder für den Mondschein blasser Erinnerungen, noch für den Dämmer-scheiu in Nebel gehüllter Zukunftsträume. Ihm war der breite Bodender Gegenwart lieber. Da das Judenthum aber aus Erinnerungenund Hoffnungen besteht, so war Holdheim nicht sehr von ihm einge-nommen; er suchte es daher umzumodeln und sich zurecht zu legen,damit es ihn nicht gar zu sehr störe.
Wie viel von praktischer Religiosität Holdheim noch nach Pragmitgebracht hatte, und wie viel er dort hängen ließ, ist nicht bekannt.Nichts desto weniger bewarb er sich um das Rabbinat in Frankfurt a. O.,wo die größtentheils altfromme, der Reform entschieden abgeneigte Ge-meinde einen Rabbiner nach dem Schlage suchte, der das stets wache Ge-wissen des Judenthums bilde», die Satzungen desselben strenge erfüllenund die Einzelnen zur Erfüllung derselben anhalten und ermahnen sollte,und erhielt das Amt auch (1836). Man kann nicht gerade behaupten,daß er den Erwartungen der Gemeinde nicht entsprochen hätte. Hold-heim machte während seines mehrjährigen Aufenthaltes in Frankfurtalle Riten mit, kümmerte sich vermöge seines Amtes auch um die ge-wissenhafte Bethätigung des praktischen Judenthums und redete ihmvon der Kanzel mit Begeisterung das Wort*), kurz er benahm sichwie ein Rabbiner alten Schlages, obwohl er in seinem Innern mitdem rabbinischen Judenthume zerfallen war. Für Verschönerung undweihevollere Gestaltung des Gottesdienstes that er gar nichts, um nichtals Neuerer zu gelten, oder vielmehr weil ihm selbst wenig daran lag.Er selbst geberdete sich im Gotteshause in völlig andachtsloser Haltung,als befände er sich noch in einer Winkelsynagoge Kempens. Er waraber keineswegs ein Heuchler wie manche seiner Amtsgenossen, die sichin derselben Stimmung und Lage befanden. Er nahm nur Amt und
i) Ritter a. a. O. S. 29 fg. 4t.