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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden,

Unklarheit vergegenwärtigt. Den Talmud wollten sie nicht als Au-torität anerkennen. Aber die Bibel? Ja und Nein.Die mosaischeReligion hielten sie einer fortdauernden Entwickelung fähig." Zu-nächst wollten sie sich von den Speisegesetzen lossagen, weil sie,ausdem ehemaligen Staatsverbande hervorgegangen," gegenwärtig alsreligiöser Akt oder Symbol ihre Bedeutnng verloren hätten. Von derMessias-Hoffnung oder von der Rückkehr nach Palästina sagten sie sichentschieden los,weil sie ihr Geburtsland für das alleinige Vaterlandansahen."

Viele Theilnehmer fanden die Creizenacher Reformfreunde nicht.Darum angelten sie nach Gabriel Rieffer, der bereits eine aner-kannte Persönlichkeit war, und von dem sie glaubten, daß er eine An-ziehung ansüben und einen Anhang mitbringen würde. Rieffer warin der That anfangs zum Beitritt geneigt. Er schien die Gereiztheitnoch nicht überwunden zu haben, welche Bernays Einmischung in dieAngelegenheiten des Hamburger Tempels in ihm znrückgelaffen hatte.Er schreckte selbst vor einer sektirerischen Trennung nicht zurück, ob-wohl er früher stets wegen derSeele des Judenthums auch die Hülledesselben geachtet wissen" wollte. Das Freiheits-Princip, das seinInneres allein ausfüllte, überwog in ihm seine gemüthliche Anhäng-lichkeit an das bestehende Judenthum. Er war daher entschieden fürden einen Punkt des Creizenacher oder Frankfurter Programms:daß es jedem jüdischen Vater unbenommen bleiben sollte, seine Söhneunbeschnitten zu lassen; diese Unterlassung sollte keine bürgerlichenNachtheile für ihn herbeiziehen. Rieffer wollte gegen einen vermeint-lichen Gewissenszwang ankämpfen. Indessen hatten andere Männer,welche zum Beitritt aufgefordert worden waren, gerade an dem Punkte,der sich gegen die Beschneidung aussprach, Anstoß genommen. DieUrheber des Vereins der Reformfrennde sahen sich daher genöthigt,diesen Punkt, sowie die Erklärung gegen die Speisegesetze fallen zulassen, und von den fünf Punkten ihres ursprünglichen Programmsnur drei festzuhalten: den gegen den Talmud und den Messias, sowiedie Phrase von der Fortbildungsfähigkeit dermosaischen Religion."Aber gerade diese Kürzung und Abschwächnng des ursprünglichen Be-kenntnisses hielt Rieffer für eine Jnconsequenz und Mnthlosigkeit undentzog dem Verein seine Theilnahme, dadurch fehlte dem Unternehmendie Zugkraft; es traten nur Wenige bei. So starb der Verein bereitsbei der Geburt. Die Beschneidungsfrage kam zwar von einer andernSeite eine kurze Zeit auf die Tagesordnung. Einige unglückliche Fällebei der Beschneidung jüdischer Knaben hatten das Sanitätsamt inFrankfurt a. M. veranlaßt, eine Verordnung zu veröffentlichen (8. Febr.