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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Der zweite Hamburger Tempel-Streit. 509

Der Hamburger Tempelstreit blieb innerhalb seines Heerdes ohneFolgen, weil der entsetzliche Brand (Mai 1842) einen großen Theildieser Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelte und die Aufmerk-samkeit von den Parteiinteressen abzog. Da schlug die reformatorischeFlamme an einem anderen Punkte empor und drohte weithin zu züngeln.In Frankfurt a. M. gab es seit langer Zeit ungefügige Elemente,die sich mit dem bestehenden Judenthnme überworfen hatten. Sie hattenihre Wurzeln theils in der aus kleinen Anfängen zu einem ansehn-lichen Institute emporgewachsenen Real« und Volks-Schule (Philan-thropie), theils in der ersten jüdischen Freimaurerloge. Die Leiterund Lehrer der Schule und die Mitglieder der Loge huldigten einerfreien, dem Jndenthum abgeneigten Richtung. Eine Zeit lang bildeteMichael Creizenach (geb. 1789, starb 1842), Lehrer am Philanthropin,den Mittelpunkt einer unsichtbaren Gemeinde. Creizenach, eine ehrliche,verständige, aber trockene Natur, hatte viele Schriften zur Bekämpfungdes rabbinisch-talmudischen Judenthums in die Welt gesetzt, mit ihnenjedoch wegen ihrer Nüchternheit und geringen Tiefe wenig Eindruckgemacht. Seiner Umgebung und dem Kreise seiner Freunde und Ver-ehrer hatte er eine Art Leidenschaft für Neuerungen und eine tiefeAbneigung gegen das Alte eingeflößt, als er bereits auf der Umkehrbegriffen war und mit Jost gemeinschaftlich eine neue hebräische Zeit-schrift, Zion, gründete, um die heilige Sprache als nationales Bandder Einigung zu Pflegen.

Nach seinem Tode traten Einige seiner Anhänger zusammen, umeine eigene Gemeinde zu bilden, auf die Gefahr hin, sich als Sektevom Grundstöcke der Judenheit zu trennen. Ihr Zweck war, einerseitsden judenfeindlichen Staatsmännern den Vorwand zur Entziehung derGleichstellung wegen Anhänglichkeit der Juden an ihre Nationalität,an den Talmud und die alten Formen, zu nehmen, und andererseitssich Freiheit der Bewegung zu sichern. Es waren gebildete Laien,welche, durch die eingetretene Zerfahrenheit Richtung und Fühlungverloren hatten oder von falschen Führern mißleitet worden waren.Sie traten zu einem Verein der Reformfreunde (Oct. 1842) zu-sammen und stellten ein Bekenntnis) auf, das die damals herrschende

*) Zuerst eröffnet 1804; S. Scheppler,die Aufhebung des Judenleibzolls,S. 177; vr. H. Bärwald, zur Geschichte der Schule (Philanthropiu), Ein-ladungsschrift zur öffentlichen Prüfung, Franks, a. M., 1869.

'9 Außer den Nachrichten in den jüdischen Wochenschriften sind Quellen da-für: Jost, der den Neformfreunden nahestand, Geschichte der Israeliten X,Th. 3, S. 205 f.: Rieffer's Erklärung in der Allg. Ztg. des Judenthums,1843, S. 481 ff., Jsler, Messer Ges. Schr. I, S. 352 f.; Freund, Judenfragein Deutschland I, S. 257 f. II, 110 f.