Die Rabbiner-Versammlung in Braunschmeig. 511
1843), die eine zweideutige Fassung hatte: „Israelitische Bürger undEinwohner, sofern sie ihre Kinder beschneiden lassen wollten, dürften,sich dabei nur der besonders dazu bestellten Personen bedienen." Dasklang so, als ob der Frankfurter Senat es den jüdischen Ellern frei-stellte, die Beschneidnng beizubehalten oder auch zu unterlassen, und sienicht für ein nothwendiges Zeichen des jüdischen Bekenntnisses hielte.Der Senat erklärte zwar, daß er damit durchaus nicht einen Freibriefzu Gunsten der Neuerungssüchtigen habe ausstellen wollen. Aber einige.Reformfreunde klammerten sich daran an, um die Beschneidung ge-legentlich zu beseitigen. In Folge dessen sammelte der Rabbiner Salo-mon Trier Gutachten von gleichgesinnten Rabbinen ein (1843—44),um die Frage todt zu machen. Sie brachte in der That nur eineschwache Kreiselung an der Oberfläche hervor, indem selbst einige re-formistisch-gesinnte junge Rabbinen sich entschieden für die Verbind-lichkeit und Nothwendigkeit der Beschneidung erklärten. Es kam dahernicht zu einer Sektenspaltung in der deutschen Judenheit, obwohl dieElemente dazu in der Luft steckten und eine unbehagliche Stimmungerzeugten.
Diese Stimmung beherrschte besonders die jüngeren Rabbiner,welche selbst über Ziel und Maaß der vorzunehmenden Reformen imUnklaren waren, oder in ihren Gemeinden bald auf der einen, baldauf der andern Seite Widerstand fanden und in ihrer Vereinzelungohne Halt waren. Damals war die Mode von Versammlungen undVereinen aufgekommen; die bereits eingeführten Eisenstraßen nach dengroßen Städten erleichterten persönliche Zusammenkünfte. So fand derAufruf zu einer Rabbiner-Versammlung Anklang, namentlich beiDenen, welche schon früher mit einander in Verbindung waren undpersönliche Anknüpfungspunkte hatten. Diese Zusammenkunft von ziem-lich gleichgesinnten Rabbinern und Predigern erregte anfangs eine ge-wisse Spannung; es war das Unbekannte, das stets in seiner Neuheiteinen gewissen Reiz ausübt. Indessen kamen zum ersten Mal inBraunschweig doch nur zweiundzwanzig zusammen, größtentheilsaus Süd- und Westdeutschland. Die Uebrigen nahmen eine abwartendeStellung ein, um sich, je nachdem die Beschlüsse der Versammlungihnen Zusagen oder widerstreben würden, ihr anzuschließen oder von ihrfernzuhalten. Nur wenige Rabbinen, welche noch auf dem Bodendes durch den Einfluß des Talmud ausgebildeten Judenthums standen,betheiligten sich dabei, die meisten Mitglieder hatten bereits halb oderganz mit dem Talmud gebrochen, ohne jedoch diesem Bruche in derPraxis Folge zu geben. .