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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

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Diese Mahnung wurde nicht befolgt. Statt der Einheit brachaber in der deutschen Judenheit ein Zwiespalt ans, der, obwohl eranfangs aus einer so geringfügigen Mißhelligkeit entsprang, daß erleicht hätte beigelegt werden können, doch im Verlaufe eine weitereAusdehnung nahm. Der Gegensatz lag unbewußt in den Gemüthernund kam zufällig bei dieser Veranlassung zum Ausbruche; er wäreeben so gut bei einer andern zum Vorschein gekommen, so lange ernicht ausgetragen oder in sich selbst zerrieben war. Der HamburgerTempel, welcher zwei Jahrzehnte vorher zum ersten Mal die Parteiungder Altfrommen und der Reformer sichtbar gemacht hatte, rief auchdiesmal den Zwiespalt hervor, der aber von jetzt an einen viel ver-schärfteren Charakter annahm. Die Tempelgemeinde hatte sich seitihren Anfängen bedeutend vermehrt. Das jüngere Geschlecht aus deralten Gemeinde war theilweise zu ihr übergetreien, weil es in deralten Synagoge keine Befriedigung für sein Andachtsbedürfniß gefundenund an der fortdauernden Unordnung in derselben Anstoß genommenhatte. Man sagte, daß die Unthätigkeit des Chacham Bernays, vondem sich die Alten so viel versprochen hatten, an dem Wechsel derStimmung und an dem Abfall Schuld getragen habe. Seine Art zupredigen, war nicht geeignet, die Jugend zu fesseln. Auf Hebung desGottesdienstes durch Schaugepränge gab Bernays nichts, während diePrediger des Tempels ihre ganze Thätigkeit darauf richteten. Schonwar die neue Gemeinde auf nahe an 800 Mitglieder gewachsen. Siehatte außerdem eine Persönlichkeit in ihre Mitte ausgenommen, dieeine Anziehungskraft ausübte. Gabriel Riesser hatte nach demTode des Gemeinde-Notars Bresselau dieses Amt übernommen, sichdem Tempel innig angeschlossen und war zum zweiten Vorsteher des-selben erwählt worden. Da sein Name wegen des unermüdlichen Eifersfür die politische und gesellschaftliche Gleichstellung der Juden inDeutschland einen außerordentlichen Klang hatte, so verlieh er demTempel durch seinen Anschluß einen neuen Glanz. Als der Tempel-verein ernstlich daran gegangen war, ein neues größeres Bethans zuerbauen, wurden diesem Unternehmen von der alten Partei durchBeschwerden beim Senate Hindernisse in den Weg gelegt Z. DieserUmstand hatte die Gemüther erregt, und zwar die alte Partei nochmehr als die neue, weil die Behörde den Tempel mit der Synagogeauf eine gleiche Linie gestellt hatte. Der Tempelverein hatte fernerein neues Gebetbuch ausarbeiten lassen, und die damit betraute Com-mission hatte anfangs im versöhnlichen Sinne manches fallen lassen,

U Vgl. darüber die beiden disharmonirenven Gutachten Bernays' imOrient, Jahrg. 1842, S. IV1 f. cl. cl. 3. Febr. und 29. August 1841.