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Geschichte der Juden.
Judenschaft von Paris verhielt sich kühl und bereitete ihrem Send-boten keinen gebührenden Empfang, als hätte sie gescheut, die Em-pfindlichkeit des Königs Ludwig Philipp, dessen zweideutiges Benehmenaugenfällig war, zu verletzen. — Montefiore, der längere Zeit in Con-stantinopel geweilt hatte, um einen günstigen Ferman zu erlangen, unddie Rückreise später und meistens zu Wasser antrat, kam nicht mit sovielen Gemeinden in Berührung wie Crsmieux und konnte nicht soviel Huldigungen entgegennehmen. Dafür wurde er mit überströmendenZuschriften von allen Seiten überschüttet. Da sein Auge stets ohneHintergedanken ans das Wohl und die Ehre seiner Stammesgenossengerichtet blieb, wußte er in seiner Einfachheit ihre Feinde zu beschämen.Dem Kardinal Rivarola, dem Beschützer aller Kapuziner in Rom,zwang er das Versprechen ab, den Grabstein, welcher die Mordthatder Juden an dem Pater Tomaso verewigen sollte, um diesen alseinen Märtyrer darzustellen, aus der Kapuzinerkirche in Damaskusentfernen zu lassenZ. So zwang er auch den König Ludwig Philipp,eine gute Miene zum bösen Spiele zu machen. Von dem englischenGesandten Granville zur Audienz eingeführt (21. Febr. 1841), über-reichte er dem König eine Abschrift des vom Sultan erhaltenen Ferman,der die Unschuld der Juden in Damaskus aussprach und den fran-zösischen Consul stillschweigend verurtheilte ^). Ludwig Philipp mußteanstandshalber diese Demüthignng einstecken und Montefiore zum Er-folge seiner Reise und Sendung Glück wünschen. Aufrichtiger dankteihm die Königin Victoria, als er ihr durch Lord Palmerston, dendamaligen Minister-Präsidenten, bei der Heimkehr vorgestellt wurde,für die Hilfe, die er seinen Stammesgenossen gebracht hatte.
Dreierlei beschäftigte damals fast die Gesammtjudenheit vonEuropa: den beiden Rettern ein dauerndes und augenfälliges Zeichender Dankbarkeit zu reichen, die Erinnerung an die durch dieselbenherbeigeführte Rettung zu verewigen und endlich ein Mittel zu finden,um einen Zusammenhalt und ein Zusammenwirken gegen Wieder-holungen ähnlicher lügenhafter Anschuldigungen gegen Juden undJndenthum zu ermöglichen. Die Stimmführer der deutschen Judenfühlten sich besonders gedrängt, ihre Theilnahme an den Vorgängenund ihre Bewunderung für die beiden jüdischen Vertreter öffentlichkund zu geben. Gerade sie, welche bis dahin an der Spitze der Be-wegung gestanden, hatten in der Damaseenischen Blutgeschichte sowenig gethan. Nur die Hamburger und Altonaer Gemeinde halte
Z Allg. Ztg. des Judenthums, Jahrg. 1841, Nr. 16.
2) Orient, 1841, S. 88. Allg. Ztg. des Judenthums, 1841, Nr. II.