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Geschichte der Juden.
wurden erst zwei Jahrzehnte später unter dem Namen des „allgemeinenIsraeliten-Verbandes" (^llianas IsraÄits IlnivsrssUs) in großemMaßstabe wieder ausgenommen. Wesentliche und dauernde Früchtebrachte die Sendung nach Egypten der jüdischen Wissenschaft, und zwardurch Salomon Munk (geb. in Glogau 1803, starb in Paris 1867).Man weiß nicht, ob man an diesem Mann mehr den fleckenlosen Charakteroder die opfermuthige Hingebung an die Wissenschaft bewundern soll.Er vermehrte die Zahl der großen Charaktere, welche die erste Hälftedes neunzehnten Jahrhunderts unter den Juden gezeitigt hat, dieKrochmal, Rapoport, Luzzatto, Erter, Mannheimer, Riesser,Veit, Sachs und Andere um ein leuchtendes Beispiel*). Eigenwar ihm eine Bescheidenheit, die gewissermaßen mit der Zunahme seinerwissenschaftlichen Bedeutung in stetem Wachsthum stieg. Wegen seinerDuldergröße im Unglück und seiner Heiterkeit im Leiden durch seineErblindung, die er sich im Dienste der Wissenschaft zngezogen hatte,bewunderte ihn Deutschland und Frankreich, sein Geburtsland und seinangenommenes Vaterland; sie haben den Dulder eben so sehr geliebtwie verehrt. Munk besaß alle Tugenden der Juden ohne ihre Fehler.Die Armuth, die an seiner Wiege saß, begleitete ihn nach Berlin, Bonnund Paris, wo er seine Studien machte; aber sie war nicht im Standeseinen Muth zu brechen und seinen Wissenstrieb zu hemmen. Wie dieprotestantischen Theologen des achtzehnten Jahrhunderts, um diehebräische Sprache und die Einzelheiten der heiligen Schrift tiefer zuverstehen, sich auf die arabische Litteratur verlegten, so suchte Munksich mit derselben vertraut zu machen, um mit dieser Wünschelrnthedie Schätze des jüdischen Schriftthnms reicher heben zu können. Gründ-lich wie er war, und sich nicht mit Halbwisserei begnügend, vertiefte ersich in diese beiden Litteraturkreise, den hebräischen und arabischen, undnmspannte noch dazu viele andere Wissens- und Sprachgebiete, welche ihmdazu förderlich schienen. So wurde er in dem umfangreichen arabischenSchriftthum einer der ersten Meister seiner Zeit, und die gründlichsten Fach-genossen erkannten ihn als Ebenbürtigen an oder reichten ihm die Palme.In seiner Eigenschaft als Dolmetscher in Begleitung Cramieux' sprach undschrieb er das Arabische wie ein in den arabischen Zelten Geborener; ja,noch feiner, weil er auch in der schönen Litteratur heimisch war. Um diese
*) Munk's Biographie ist nur umrißlich bekannt Fast sämmtliche europäischeBlätter brachten nach seinem Tode kurze nekrologische Notizen. Eine befriedigendeBiographie harrt noch der Meisterhand. jNeues Material dazu ist mitgetheiltvon Brann im „Jahrbuch zur jüd. Geschichte u. Literatur" (Bd. II, Berlin,1899), S. 148—293. Mehr als zweihundert Briefe von seiner Hand besitztdie Bibliothek des jüdisch-theol. Seminars in Breslau.)