Salomon Munk.
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meisterhafte Gewandtheit und Eingelesenheit auf diesem äußerst schwierigenGebiete zu erlangen, dazu gehört eine opfermuthige Hingebung, welchedie Gesundheit nicht schont. Gedruckte arabische Bücher gab es zurZeit, als sich Munk in dieses Schriftthum zu vertiefen anfing, äußerstwenige; er war daher darauf angewiesen, sich nach handschriftlichen Ur-kunden umzusehen und eine Schrift zu lesen, welche zugleich Geistund Auge angreift. Mit der Zeit erlangte er eine Fertigkeit, die ver-schnörkelten arabischen Schriftzüge zu enträthseln, die an's Wunderbarestreifte. Er errieth Wort und Sinn mit einem sichern Ahnungsver-mögen, das noch zunahm, seitdem er durch das aufmerksame Betrachtender Handschriften sein Gesicht eingebüßt hatte. Sein geistiges Augeersetzte ihm das körperliche vollständig. Die Finsterniß, in der er fastanderthalb Jahrzehnte vor seinem Tode zubrachte, hinderte ihn nichthell und scharf zu sehen.
Die Glanzepoche der jüdischen Geschichte im Mittelalter entwickeltesich unter der Herrschaft der Araber im Morgen- und Abendlande;ihre Morgenröthe begann mit Saadia, und ihre Sonnenhöhe erreichtesie mit Maimuni. Die Dunkelheit dieses Zeitabschnittes hat Munkgebannt und mit dem vollen Lichte seiner gründlichen Quellenstudienerleuchtet. Die innersten Gedanken Maimuni's, des Geisteserweckers,dem der jüdische Stamm zunächst die Wiedergeburt in der Neuzeitverdankt, sind erst durch Munk's Forschungen vollständig erschlossenworden. Er hat das Urbild derselben, welches durch häufige Abzügebereits verblaßt war, wieder hergestellt. Den Stolz der Christenheit,welche sich rühmte, auch im Nebel des Mittelalters Lichtkeime desGedankens ausgestreut zu haben, demüthigte er durch den unwiderleg-lichen Nachweis, daß ohne die arabische und jüdische Philosophie dermittelalterliche Dunst undurchdringlich für das Licht gewesen wäre,und daß sich die sogenannte christliche Philosophenschule im Mittelaltervon den Brosamen jüdischer Denker genährt habe. Diese geschichtlicheThatsache hat Munk so unzweifelhaft festgestellt, daß man kaum mehrvon einer selbständigen christlichen Philosophie des Mittelalters sprechenkann. Eine andere geschichtliche Thatsache, die Entstehung der karäischenSekte und ihre Entwickelung, welche, obwohl sie mächtig zur Gedankeu-anregung im jüdischen Mittelalter beigetragen hat, kaum in Umrissenbekannt war, hat Munk ebenfalls an's Licht gezogen. Kurz die jüdischeWissenschaft hat ihm außerordentlich viel zu verdanken. Er hat ihrnicht bloß neuen Stoff in großer Fülle zugeführt, sondern ihr auchGründlichkeit der Forschungswege gezeigt. Wie Luzzatto neue hebräischeQuellen, so hat Munk neue arabische Fundgruben für die jüdischeWissenschaft entdeckt, sie gemeinverständlich und zugänglich gemacht und