Die jüdischen Gesandten vor Mehmet Ali. 491
vorno, wo das Regiernngsschiff, das sic trug, landete, beging die por-tugiesische Gemeinde den Tag mit einer ernsten Feier. Jeder Unter-schied in der Jndenheit verschwand in der cinmüthigen Bewunderungdieser Männer, die sich einem so schwierigen Aufträge unterzogen, undin dem Wunsche, daß sie ihn zu gutem Ende ansführen mögen. GanzIsrael war ein Herz und eine Seele. Altfromme Rabbinen ließenfür Montefiore und CrSmienx Gebete im Gottesdienste einschalten.Jeder Jude, auch der Geringste, war bereit, einen Theil seiner selbstzu opfern, um ihnen ihre Aufgabe zu erleichtern.
Sobald sie in Cairo angekommen waren, 4. August, beeilten siesich, ohne sich Rast zu gönnen, ans Werk zu gehen. Montefiore, vomenglischen General-Consnl Hodges aufs kräftigste unterstützt, — erhatte von Palmerston die Weisung dazu erhalten — bewarb sich so-gleich um eine Audienz bei Mehemet Ali (6. August). Freundlich vonihm empfangen, überreichte er ihm eine Bittschrift im Namen derJndenheit, ihm zu gestatten, nach Damaskus zu gehen und dort Unter-suchungen über die Vorfälle anzustellen, deren Ergebniß vom Paschabestätigt werden sollte. Zu diesem Zwecke sollte ihm und seinen Leutenfreies Geleite gegeben und die Befugniß ertheilt werden, die Ge-fangenen, so oft es wünschenswerth sei, zu sprechen und Zengenverhöreanfzunehmen. Diese Befugnisse sollten als Ferman in den Straßenvon Damaskus öffentlich bekannt gemacht werden. Mehemet Ali ge-rieth dadurch in große Verlegenheit. Gern hätte er in diese Forde-rung eingewilligt, weil ihm daran lag, in Europa als Fürst der Ge-rechtigkeit zu gelten. Aber der französische General-Consnl Cochelethemmte nach der ihm von Thiers zngegangcnen Weisung diese Regungund bot alle Mittel ans, den Schleier ungelüftet zu lassen. Cocheletwollte — gegen den Brauch — nicht einmal Cremienx beim Paschaeinführen. CrLmieux mußte sich selbst Audienz verschaffen und erhieltwie Montefiore nur ausweichende Antworten. Bald wollte MehemetAli durch eine Reise die Sache in die Länge ziehen, bald erwiderteer: er werde es sich überlegen, ob die Untersuchung auf Wunsch derjüdischen Gesandten in Damaskus anzustcllen sei, oder ob das Zengen-verhör nach Alexandrien in seine Nähe gezogen werden solle. Dieorientalische Frage stand gerade damals vor einer Krisis. Jeden Augen-blick erwartete Mehemet Ali die letzte Entscheidung der europäischenMächte darüber, ob er sich dem Sultan werde unterwerfen und seineSelbstständigkeit und das eroberte Syrien werde anfgeben müssen odernicht. Er mochte es also weder mit England und Oesterreich, welchefür die Inden eintraten, noch mit Thiers oder Louis Philipp, welcheRatti-Menton und die Mönche nicht fallen lassen mochten, verderben.