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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Ministerium eher noch gehemmt. Mehrere Unterredungen, die er mitThiers über die Damasknsangelegenheit hatte, führten zu keinem Er-gebniß, obwohl auch Odillon Barrot, Thiers Freund, an einerSinnesänderung des Ministerpräsidenten arbeitete. Thiers wollte sichaber stark zeigen. Vielleicht hatte er selbst nicht so viel Schuld, alsihm alle Gutgesinnten beilegten. Möglich, daß Ludwig Philipp mitseiner Schlauheit ihn am Nachgeben hinderte. Er wurde auch in derPairskammer (10. Juli) von wackeren Männern daran erinnert, daßer durch seine Parteinahme für den Wicht Ratti-Menton FrankreichsEhre bloßstelle, blieb aber nichts desto weniger in seiner zweideutigenHaltung. Die öffentliche Meinung zwang ihn zwar, kleinlaut zu ge-stehen:Ich achte die Juden, ich achte sie besonders bei dieser Ge-legenheit. Ihr Widerstand macht ihnen Ehre; sie haben sich kräftiggegen das ihnen zur Last gelegte Verbrechen verwahrt. Dies bringtihnen Ehre in den Angen von ganz Europa. Allein wenn auch dieRegierung die Gefühle, welche die Inden durch ihr Betragen einflößen,vollkommen theilt, so kann sie dennoch die Handlungen eines ihrerAgenten nicht tadeln, auf welchen sie Vertrauen setzen muß, bis zumevidenten Beweise des Gegentheils." Seine eigenen Parteigenossen ver-nrtheilten ihn und sagten ihm ins Gesicht:Eine so trockene parla-mentarische Sprache sticht sehr auffallend und unglücklich ab gegen dieberedten Zurechtweisungen, von welchen Lord Palmerston und SirRobert Peel zu Gunsten der verfolgten damascener Juden die englischeTribüne wiederhallen lassen". Aber die Thatsachen vereitelten Thiers'und des Königs Schlauheit. Während sie glaubten, durch kleinlicheRänke, durch kindischen Trotz und durch Berückung Mehemet Ali'sFrankreichs Ansehen zu befestigen, schlossen die vier übrigen europäischenMächte England, Rußland, Oesterreich und Preußen einen Vierbund(Quadrupel-Alliance, 15. Juli) gegen Frankreich, worin bestimmt wurde,daß dem Sultan Syrien znrückgegeben werden sollte. Thiers' Sturzwar bereits vorbereitet, als er sich noch in die Brust warf.

Einen Tag vor dem Abschluß des Vierbundes reisten Montefioremit seiner Begleitung und Crsmieux mit der seinigen nach Egypten.In Crsmieux' Begleitung war Salomon Munk, der die jüdischeWissenschaft würdig und voll vertrat. So fehlte der jüdischen Gesandt-schaft nichts von dem, was zum Gelingen einer großen Sache erforder-lich ist: Hingebung, reines Gottvertrauen, Beredsamkeit und tiefe Kennt-niß. Auf ihrer Durchreise durch Frankreich wurden diese hochherzigenund mnthigen Vertreter der Judenheit überall, wo es jüdische Ge-meinden gab, in Avignon, Nlmes, Carpentras, Marseille mitBegeisterung empfangen und von Segenswünschen begleitet. In Li-