Christliche Versammlungen in London und Manchester. 489
lichen Freunde der Menschheit, daß die Gesetzgebung dieses Landesihren Unwillen über die Grausamkeit bekundend, den Juden für diein früheren Zeiten durch dieselbe Gesetzgebung erlittenen Leiden Ersatzbieten werbe". Allgemein wurde der Antrag angenommen: „DieseVersammlung drückt ihr hohes Bedauern aus, daß in diesem erleuch-teten Zeitalter eine Verfolgung gegen unsere jüdischen Brüder statt-fiuden konnte, welche durch Unwissenheit entstanden ist und durchFrömmelei entflammt wurde." Gegen Ende der Versammlung tratO'Connel ein. Er hatte geglaubt, er werde sie anspornen müssen.Als er aber die Fluth der Begeisterung für die Juden hochgestiegensah, fügte er nur hinzu: „Nach den dargelegten Zeugnissen, welche
den moralischen Werth der Juden zu erkennen geben, könnte wohl einMensch so entartet sein, zu glauben, daß sie des Blutes bedürften zuihren Gebräuchen? Ist nicht ein Jude ein Muster in jeder Beziehungdes Lebens? Ist er nicht ein guter Vater, ein guter Sohn? Sindsie nicht treue Freunde? Sind sie nicht redlich, fleißig? .... AlleEngländer rufe ich auf, ihre Stimme für die Opfer jener schändlichenBedrückung zu erheben. Der Ruf möge gehen von einem Ende derbritischen Insel bis zum andern, und wenn der Beifall eines Irländersnoch fehlt, so bin ich dafür da!" —
Diese dreistündige Versammlung im Mansion - House bildet einedenkwürdige Episode in der jüdischen Geschichte. Im Namen derselbenmachte der Lord-Mayor nicht bloß die englische Regierung, sondernauch die Gesandten aller europäischen Mächte mit den Beschlüssen be-kannt und forderte sie auf, die Völker und die Fürsten zu veranlassen,ihre Theilnahme für die Juden ebenfalls kundzugeben. So hinreißendwirkte die unverfälschte öffentliche Meinung, daß sich der KaiserNikolaus Von Rußland gleich der amerikanischen Republik moralischgezwungen sah, seinen Abscheu vor Folterqualen gegen Juden an de»Tag zu legen! Einige Wochen später fand eine ähnliche Versammlungin Manchester statt, und in derselben wurden, obwohl darin größten-theils Geistliche das Wort führten, dieselben Gesinnungen gegen dieJuden kundgegebeu. Warum hatten solche Ansichten nicht im viertenund fünften Jahrhundert die Oberherrschaft, als das Christenthumsich auf den Thron setzte? Wie viel Weh, Thränen und Blut wärenerspart worden? Doch der jüdische Stamm sollte durch das blutigeMärtyrerthum erprobt und gestählt werden.
Montefiore konnte die Reise mit geschwellter Brust antretcn. Nichtbloß von der Regierung unterstützt, sondern auch von den Sympathiender besten Männer Englands begleitet, hegte er die besten Hoffnungen.Nicht so leicht wurde es Crümieux. Er wurde von dem französischen