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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Muthiges Auftreten hervorragender Juden. 475

waren, so strömten rasch diese erlogenen Berichte durch die Adern deseuropäischen Zeitungswesens. Leicht hätte sich der mittelalterliche Haßgegen die Juden erneuern und Blutscenen Hervorrufen können. Ent-setzen ergriff sämmtliche Inden Europas bei diesem Gedanken, daß sieam Hellen Tage des neunzehnten Jahrhunderts noch gegen das finstereGespenst der Blutanklage ankämpfen mußten, um nicht von ihm insGrab gezogen zu werden.

Allein Gutenbergs Kunst, deren sich die Gewissenlosen bedienten,kam noch mehr den Juden zu statten. Verleumdungen und erlogeneBeschuldigungen gegen die Juden konnten nicht mehr wie früher inden Schleier des Geheimnisses gehüllt werden. Es gab muthige Juden,welche der Lüge und Heuchelei die Maske der Tugend abrissen. Einsolcher war Adolph Crsmieux, welcher gerade kurz vorher wegenseiner Beredsamkeit Triumphe gefeiert hatte. Bei der ersten Nachrichtvon den noch dunkeln Vorgängen in Damaskus, fest überzeugt, daßdie morgenländischen Inden ebenso wie die europäischen rein von Blutseien, eilte er zum französischen Minister, um anzufragen, ob die Re-gierung nähere Kunde davon habe. Dieser erklärte hierauf, daß ernicht die geringste Kenntniß weder durch den Consul, noch auf anderenWegen erhalten habe. Hier zeigte sich schon das Spiel, das mit diesertraurigen Sache getrieben wurde. Mit dem zündenden Feuer seinerBeredtsamkeit und dem Mnthe, welchen eine gerechte Sache giebt, tratCrsmieux den geflissentlichen und nachbetenden Verleumdungen in Frank-reich entgegen (7. April) und wurde der Mittelpunkt einer patriotischenErhebung für die französischen Gemeinden. Crsmieux war damalsVicepräsident des Central-Consistoriums; an ihn, den berufenen undthatkräftigen Vertreter, wandten sich daher die Juden Frankreichs mitder Bitte, das Lügengewebe, das sich von Damaskus bis nach Frank-reich ausbreitete, zu zerreißen.

Wie die französischen, so ermannten sich wie mit einem Schlagedie englischen Juden. Sie hatten sich durch Reichthümer und Ehren-haftigkeit in der öffentlichen Meinung große Achtung erworben. Einigederselben waren zum Ehrenamte von Friedensrichtern (Sheriff) erwähltworden; cs war vorauszusehen, daß sie bald ins Parlament Eintritterhalten würden. Die angesehensten Juden Englands, darunter BaronNathanael Rothschild und Sir Moses Montefiore, welcher ausfrommem Sinne eine Pilgerreise nach dem heiligen Laude gemachthatte, Salomons und die geachteten Brüder Goldschmid, hielteneine ernste und würdige Versammlung (21. April) und beschlossen, dieRegierungen von England, Frankreich und Oesterreich anzugehen, durchihr Gewicht der Unmenschlichkeit in Damaskus Einhalt zu thuu.