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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

bringend war. Ratti-Menton erfaßte aus gewinnsüchtigen Absichtenseinerseits schnell diesen Verdacht gegen die Juden und unterließ jedeanderweitige Nachforschung, obwohl ein Fingerzeig dafür vorhandenwar, da der türkische Kaufmann, der beim Streit mit dem Pater zu-gegen war, sich erhängt hatte*). Der Gouverneur von DamaskusScherif Pascha war leicht dazu zu bewegen, die Verfolgung derJuden zu gestatten oder anzustellen, da er es mit dem französischenConsul nicht verderben wollte und seinerseits von einer Blutanklagegegen die Juden bedeutenden Gewinn zu ziehen hoffte. Um den Scheinzu retten, beriefen sich die Ankläger auf die Aussage eines frommenGauklers, welcher versicherte: Tomaso und sein Diener seien im Juden-quartier in diesem und diesem Hause ermordet worden 2). DiesesKunststück hat wohl Bachari Bey zu Stande gebracht. Der türkischeSchelm Mohammed El-Telli bot Ratti-Menton seine Spionen-dienste an, wenn er ihn aus dem Kerker und von den Schulden be-freien wollte. Gern nahm dieser sie an; die beiden Wichte wareneinander würdig.

Bald häuften sich die Jnzichten. Christen sagten aus: sie hättenvon Juden die Worte gehört:Schließen wir die Pforten und gehenwir nicht aus, cs ist Gefahr vorhanden" oder:sie hätten den Paterkurz vor seinem Verschwinden im Hause eines Juden gesehen". Kurz,die Anklage-Akte waren schnell fertig:Die Juden haben Tomaso undseinen Diener ermordet", um sich des Blutes für ihre Passahfeier zubedienen lächerlich genug, um es sechs Wochen aufzubewahren.Für Aufreizung der Christen und des türkischen Pöbels wurde auchgesorgt. Mehrere Juden wurden ergriffen und vor Ratti-Mentongeführt und verhört. Ein armer jüdischer Barbier zeigte aus ange-boruer Furcht in Gegenwart der Auflaurer beim Verhör Verwirrung.Aber er leugnete fest jede Theilnahme und jede Kunde vom Mordedes vermißten Paters. Nichts desto weniger übergab ihn der fran-zösische Consul dem Scherif-Pascha als stark Verdächtigten zur Unter-suchung. Dieser ließ ihm die Bastonade, d. h. 500 Stockschläge aufdie Sohlen, geben. Diese Folter schien aber Ratti-Menton noch zumilde. Die christliche Liebe kannte wirksamere Mittel und hat sie mehrals einmal bewährt gefunden. Der arme Barbier wurde den härtestenMartern unterworfen, blieb aber standhaft. Da ließ man ihm imKerker einen Besuch von jenem Schurken Mohammed El-Telli abstatten,welcher wegen Schulden im Gefängnisse saß. Durch dessen trügerischesZureden ließ sich der Barbier, dem neue Folterqualen in Aussicht

*) Pisritz bei Löwenstein, das. S. 106.

2) Pieritz, das. S. 105.