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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

sollte, Frankreich hingegen den egyptischen Räuber, um Rußland Schachzu bieten. Oestreich und England schwankten hin und her, und Preußenwar das fünfte Rad am Wagen der europäischen Pentarchie. Durchdie enge Verbindung zwischen Ludwig Philipp und Mehmet Ali er-hoben die bis dahin gedrückten Christen in Palästina und Syrien ihrHaupt, da sich Frankreich gern zum Hort des Christenthums imMorgenlande aufwarf, um sich Einfluß und einen Titel zu erwerben,wie es auch mit der Pfaffenpartei im Innern liebäugelte, um dieFreunde der Freiheit Niederhalten zu können ^). Die Geistlichen undMönche vieler Orden im Morgeulande, besonders die katholischen oderlateinischen, gestern noch verfolgt, warfen sich, auf französischen Schutzvertrauend, zu Verfolgern auf.

In Damaskus, welches damals von 5000 jüdischen Familienfast 20.000 Seelen, bewohnt war, verschwand eines Tages (1. Adar 5. Febr. 1840) der Guardian eines Kapuzinerklosters aus Sar-dinien, Pater Toniaso^) (Thomas) mit seinem Diener. Er war kein

1) Heine das. 102 f.

2) Quellen für dieDamaskusaffäre" giebt es gar zu viele. Alleeuropäischen und levantinischen Zeitungen brachten vom April bis Herbst 1840Nachrichten darüber, Falsches und Wahres unter einander. Die klerikalen undofficiösen Zeitungen in Frankreich und die judenfeindlichen in Deutschland, dieAugsburger Allgemeine und die Leipziger Allgemeine an der Spitze, logensystematisch. Zuverlässig sind nur die Nachrichten in englischen und österreichischenZeitungen. Die jüdischen Blätter von 1840 41 enthalten außer den auch inanderen Zeitungen verkommenden Nachrichten, auch die Vorgänge unter deneuropäischen Juden während dieser Zeit: die ^rollivss Israslibss von IsidorCahn, die Allg. Zeitung des Judenthums von L. Philippson, der Orientvon Julius Fürst, erst 1840 entstanden, und zum Theil auch die IsraelitischenAnnalen von Jost. Dis Facta sind, leider sehr unchronologisch und durchDeclamationen unterbrochen, zusammengestellt in L.H. Löwensteins Oainas-eia 1840 (2. Ausl. 1841, nach der ich citire). Die Anfänge der Damaskus-geschichte gaben unparteiisch der österreichische Consul in Damaskus Merlatound der englische Missionär Wildau Pieritz (getaufter Jude), beide Augen-zeugen. Der Bericht des Majors v. Heilbronn er in dessenMorgenlandund Abendland", Stuttgart 1841 (wiedergegeben in der Allg. Ztg. des Juden-thums 1841, No. 6) kann nicht als Original-Relation angesehen werden. Erselbst giebt an, daß er erst in Damaskus eintraf, als die Tragödie ihren Höhe-punkt erreicht hatte, v. Heilbronners Angaben über die Anfänge stimmen bisauf geringe Abweichungen mit denen Merlato's überein, weil er die Nachrichtennicht selbst erlebt, sondern von dem österreichischen Consul oder in dessen Hausevernommen hatte. Außer den zwei Originalberichten von Merlato und Pieritzsind die Briefe von Juden aus Damaskus und Beirut an verschiedene jüdisch-europäische Häuser zu beachten, welche die Thatsachen unverfälscht darstellen,und sie sind zuweilen nur im Detail unzuverlässig. Sie sind in den ^.rebivssund anderen jüdischen Zeitungen ausgenommen. Komisch nimmt sich derscheinbar objektive Bericht über die Damaskusgeschichte oderMord des Paters