Damaskus.
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Asien, in patriotischem Selbstgefühl schlagen machte. Wo das Selbst-gefühl schlummerte, wurde es wach gerufen. Das Wunderbarste dabeiwar, daß die verächtliche „Judeusache" in die verschlungenen Fädender europäischen und asiatischen Politik verflochten wurde, und daßsich der russische Despot Nikolaus wie die amerikanische Republikder Juden in Damaskus aunehmen mußte. Wer sich dieser Zeit unddes Vorfalls, der sich daran knüpft, erinnert nnd Sinn für die Wunderder Geschichte hat, wird die wunderbare Verkettung dieser Begebenheitnicht verkennen. Ein in Frankreich naturalisirter Italiener Ratti-Menton, der sich den Grafentitel beilegte, ein Herz- und gewissen-loser Gewinnjäger, der Sicilien und Tiflis wegen unehrenhafter Hand-lungen hat meiden müssen^); ein vom Christenthum zum Islamübergetretener Renegat, ein ausgemachter Schurke und Erzjudenfeind,Hanna Bachari Bey; sein Spießgeselle Mohammed El-Telli,der einen reichen Juden in Damaskus mit einer Blutanklage bedrohte,wofern er ihn nicht durch Geldsummen ans der Verlegenheit risse 2);endlich ein christlicher Araber Schibli Ajub, ein ehrloser Wicht, der,von einem Inden des Unterschleifs angeklagt und ins Gefängniß ge-worfen, Rache schnaubte: das waren die teuflischen Urheber einesneuen blutigen Dramas, worin den Juden wieder die Märtyrerrollezugetheilt war. Aber dieser Leidensstand führte zur Selbstermannung,zur Erhöhung und zum stolzen Selbstgefühl.
Die politischen Vorgänge dienten, wie angedeutet, diesem Dramazum Grundgewebe. Der Schlaukopf Mehmet Ali, Pascha vonEgypten, hatte durch glänzende Siege dem türkischen Sultan, seinemLehnsherrn, ganz Syrien sammt Palästina entrissen. Die Bewohnerdieser Länder preßte er noch mehr als die seines Hauptpaschaliks aus,um gefüllte Kassen zu haben. Der ebenso schlaue sogenannte Bürger-könig Ludwig Philipp, um den Groll der legitimen Fürsten vonEuropa, besonders des Kaisers Nikolaus, zu entwaffnen, unterstützteMehemet Ali's Eroberungspläne; französische Sendliuge halfen amegyptischen Raubsystem. Diese Ränke verdoppelten sich, als der willeus-feste aber unglückliche Sultan Mohammed ins Grab gesunken war,und sein schwacher, verzärtelter siebzehnjähriger Sohn Abdul-Megid,so zu sagen, den Thron bestieg (Juli 1839). Damals begann dieorientalische Frage zu brennen. Rußland unterstützte die schwacheTürkei, damit sie nicht dem starken Mehmet Ali in die Arme fallen
Z Heine, französische Zustände, sämmtl. W-, X, S. 69, auch in den weiterzu nennenden Quellen.
2) Oavicl Lalomon, aeeount ok tbs reesnt psrseeuiion ot tbs llsrvs okDamasons.
Graetz, Geschichte der Juden. XI.
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