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Die Stürmerei. Samson Raphael Hirsch.
siimungsgenossen die Reformen eingeführt hatten, den Schein der Noth-wendigkeit und der wissenschaftlichen Berechtigung verleihen wollenDurch ihr ungestümes und absprechendes Wesen hat sie einen herben,heftigen Gegensatz hervorgerufen und somit den Samen der Zwietrachtin Jakobs Weinberg gestreut. Indessen hatte diese Erscheinung aucheine Kehrseite.
Die Altfrömmigkeit, welche bis dahin sich den Neuerungen gegen-über stumm oder Polternd, jedenfalls ungeschickt benommen oder, wieBernays, in Sphinx-Räthseln gesprochen hatte, wurde dadurch heraus-gefordert. das Wort zu ergreifen. Sie stellte die Berechtigung derReform, ans welche die Neuerung so sehr Pochte, geradezu in Abrede.„Die neunzehn Briefe über „Judenthum" von Ben Usiel (1836),verfaßt von S.R. Hirsch, einem Jünger Bernays', waren die erstenLaute eines kräftigen Widerspruchs gegen die Verflachung des Juden-thums zu einer Alltagsreligion, die in Predigt, deutschen Gesängen undConfirmation bestehen sollte, die mit einem Worte, die Fülle seinesWesens in die vier Wände der Synagoge einznschränken gedachte. Eswar die Eröffnung eines Kampfes zwischen zwei verschiedenen Grund-anschaunngen, der noch lange nicht ausgetragen ist. Dieser Kampfentbrannte jedoch nur in Deutschland. Die Juden der übrigen euro-päischen Länder verspürten noch nichts davon. Denn weil in Deutsch-land die alte Schmach so schwer zu tilgen, die junge Freiheit so müh-sam zu erringen war, sahen die gebildeten Juden in der Eigenartihres Bekenntnisses eines der Hindernisse, ihre Ebenbürtigkeit zu er-langen, waren bereit sie zu opfern und suchten sich einzureden, es seikein Selbstaufgeben, sondern ein bloßes „Sich häuten". Da die christ-liche Gesellschaft sie nicht als Deutsche anerkennen wollte, so wolltensie durch volles Abstreifen ihres Wesens beweisen, daß sie nurDeutsche, nichts als Deutsche wären und vom Jndenthum nur einenkleinen Rest beibehiclten. Der gerade in Deutschland am schärfsten ge-weckte, grübelnde Geist trug dazu bei, nicht nur an Diesem und Jenem,sondern an dem ganzen Gebäude des Jndenthum zu nörgeln und esals ein vor Alter morsch gewordenes Werk anzusehen, das bis aufeinige Grundsteine abgetragen werden müßte.
Wunderbar! Tiefer blickende Christen bewunderten die ZelteJakobs in ihrer Einfachheit und Schmucklosigkeit, während Trägerdes Jndenthums sich darin beengt fühlten und Stiftshütte wie Bundes-lade gern mit Pomp und Kirchenparade Umtauschen oder wenigstensentstellend sie damit umgeben wollten. Zwei poetisch gestimmte christ-liche Forscher, überrascht von der wunderbaren Erscheinung, daß dasgehetzte jüdische Volk noch bis in die neueste Zeit eine eigne neu-