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Geschichte der Juden.
von Anfang an Stürmerei. Sie schlug in jugendlicher Zuversicht einenhohen Ton an, als wollte sie sich zum höchsten Tribunal anfwerfen,von dem alle Bestrebungen ihr endgültiges Urtheil, Lob oder Tadel,zu erwarten haben müßten. Mnthig trat sie der unverschämten An-maßung sich gelehrt dünkender Judenfeinde — wie derjenigen Hart-manns — entgegen und bekämpfte die Gedankenschwäche derjenigenJuden, welche noch immer die Ideale in das Christenthum verlegten.Als verdienstlich ist es der Zeitschrift oder dieser Schule anzurechnen,daß sie früher vernachlässigte, weil ganz oder halb geächtete Episodenund Personen der jüdischen Geschichte, die Karäer, die begabten Zweiflerund Heuchler, wieder in frische Erinnerung brachte. Sie hat durch ihrUngestüm und ihre Stürmerei Bewegung und Rührigkeit in jüdischeKreise gebracht, einen regen, wissenschaftlichen Blutumlauf erzeugt unddie anderweitig gewonnenen Ergebnisse der Forschung in verdünnterGestalt faßbar und gemeinverständlich gemacht. Wer vermag heuteschon abzuwägen, ob der Gewinn oder der Schaden größer war, densie dem Jndenthume gebracht hat? Sie hat nämlich auch tief eingreifendeJrrthümer verbreitet, indem sie das Judenthum zur Theologie, d. h.zu einer Kirchen- und Dogmen-Religion gemacht und dessen Vertreter,die Rabbinen und Träger der Lehre, zu Geistlichen und Pfarrerngestempelt hat. Dadurch hat diese Richtung das Judenthum eingeengtund das, was Jahrtausende überragte, in den Kreis der Erscheinungenvon gestern herabgezogen. In großer Hast hat sie die kaum kalt ge-wordene Gedankenarbeit sofort ins Leben einführen, oder wie dieFormel lautete, die „Lehre mit dem Leben ausgleichen" wollen, dieLehre, die noch nicht begriffen war, dem Leben, d. h. den Anforde-rungen der Bequemlichkeit, der bürgerlichen Gleichstellung zum Opferbringen wollen. Die Wissenschaft war für Geiger nicht Selbstzweck,sondern Mittel, um das Judenthnm seines Inhaltes, der seine Eigenartausmacht, zu entleeren, und es zu etwas Nagelneuem umzuformen.Geiger hat zwar mit rühmenswerthem Mannesmuth den Zndrangjüdischer Geldmänner und gedankenleerer Kreise zur Kirche ohne innereUeberzengung und die Nachäffung christlicher Gewohnheiten in jüdischenFamilien bekämpft und sich dadurch bei den Wortführern des Christen-thums mißliebig gemacht; aber indem er die alten Erinnerungen undBelehrnngsmittel ans der Synagoge verbannt wissen wollte, die Predigtund neue Gebete in der Landessprache zum Mittelpunkte des Gottes-dienstes machte, den Prediger zum Seelsorger stempelte, dem die Laien-welt sich unterzuordnen hätte, entzog er dem Judenthum gesundes Blutund beförderte gegen seinen Willen den Abfall. Seine Zeitschrifthat der Willkür, mit der Friedländer, Jacobson und ihre Ge-