Geiger.
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Alle diese wohlthuenden Erscheinungen, die durch wissenschaftlicheBehandlung begonnene Klärung des Judenthums und die durch Selbst-achtung erzielte zunehmende Achtung der Juden in bürgerlichen Kreisen,selbst in Deutschland, erweckten den Schein, als sollte sich die Neu-gestaltung der jüdischen Religion friedlich, ohne Kämpfe und leiden-schaftliche Aufregung vollziehen. Immer mehr wurden jüngere akademischgebildete Männer zum Rabbinatsamte berufen, welche durch Predigt inder Landessprache und andere Mittel dem Judenthum in seiner äußernGestaltung Würde und Anziehungskraft verliehen, um der Fahnenflucht,besonders der Wassertaufe, entgegen wirken zu können. Es schien, alsob die alten rabbinischen Vertreter des Judenthums von der Bildflächeverschwunden wären oder die Waffen gestreckt hätten. Dieser Scheinfriedlicher Entwicklung schwand mit einem Male, als sich ein schrillerKriegsruf von einer Seite erhob und von einer andern Seite ebensoscharf erwidert wurde. Der Gegensatz zwischen dem Alten und demNeuen und seine Unversöhnlichkeit ging von zwei jungen Männern aus,die, an einer und derselben Universität akademisch ansgebildet, sich fürdas rabbinische Lehramt vorbereitet hatten, mit einander freundschaftlichverkehrten und keine Ahnung davon hatten, daß ihre Namen zum Stich-wort für Parteiungen in der Judenheit dienen würden. Die Gegen-sätzlichkeit in bitterer Befehdung ging von Abraham Geiger undSamson Raphael Hirsch ans. Beide reich begabt, waren nach ihrenAnlagen und ihrem Temperament einander antipathisch. Der Ersterewar heiteren, geselligen Gcmüths, anschließenden und lebhaften Geistes,vielseitig oder wenigstens für die verschiedenen Seiten des Wissensempfänglich und anempfindend, der Letztere dagegen mehr ernsten Ge-müthes, verschlossen und einseitig von seinen Lieblingsgedanken ein-genommen.
Geiger(geb. in Frankfurta.M. 1810, gest. in Berlin 1875) stammteans einer rabbinischen Familie und spitzte sich zu einem erbittertenFeinde des Talmuds und des rabbinischen Judenthnms und zum leiden-schaftlichen Fahnenträger einer durchgreifenden Reform zu. Hirsch (geb.in Hamburg 1812, gest. in Frankfurt a. M. 1888) ans einer Kanfmanns-familie wurde der geharnischte Vorkämpfer für das alte rabbinische Wesen,von dem er nicht ein Jota aufgegeben wissen wollte. Ihre ganzeLebens- und Amtsthätigkeit konzentrierte sich in einem Punkte: beGeiger vollständige Auflösung der vom Talmud geschaffene» Gestaltungdes Judenthums, bei Hirsch krankhaftes Festhalten an allem, was derTalmud, die rabbinischen Autoritäten und der Brauch geheiligt haben
Geiger begann den Kampf mit der Gründung der wissenschaft-lichen Zeitschrift für jüdische Theologie (1835). Ihr Ziel war