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Geschichte der Juden.
die schönsten Blätter ihrer Geschichte aus der spanisch-französischenEpoche verloren gegangen. Die Forscher empfanden viele Lücken, diesie durch Verstandesthätigkeit gut oder schlecht ausfüllen mußten. Dieseschönen Blätter aufzufinden, dafür war Luzzattos Eifer erglüht, undItalien krönte sein Bemühen mit Erfolg. Die aus Spanien undFrankreich verjagten Juden hatten zumeist auf ihren Wanderungenihren Weg über Italien genommen: Viele hatten sich auch dort an-gesiedelt. Hier hatten sich daher meistens die Schätze des jüdischenSchriftthums abgelagert, aber sie waren vergraben, weil sie das Argus-ange der Inquisition fürchteten. Selbst gediegene Druckwerke aus ita-lienischen Officinen hervorgegangen, waren nicht leicht zu finden. Luz-zatto's Eifer spürte sie auf und machte sie durch wissenschaftlicheOrgane oder in selbstständigen Schriften bekannt und benutzbar. Durchihn erhielt erst die mittelalterlich-jüdische Geschichte ihre Urkunden,ihren festen Grund, ihre Färbung und Beleuchtung. Wenn Krochmalund Rapoport die Väter der jüdischen Geschichtsbearbeitnng genanntwerden, so war Luzzatto deren Mutter.
Erst durch ihn war es möglich, das, was bis dahin nur umriß-lich in einen Nebelschleier gehüllt war, deutlich zu erkennen, zu grup-piren, zu gliedern und in ursprünglichem Glanz wieder herzustellen.Die Anfänge der neuhebräischen Poesie, ihre Blüthezeit in JehndaHalevi, wie überhaupt das reiche Geistesleben der Juden in Spaniensind zuerst durch ihn erschlossen worden. Und bis zu seinem letztenHauche war Luzzatto unermüdlich im Suchen und Stöbern. Er legteselbst eine Sammlung werthvoller Schriften an und ermunterte vieleandere Freunde der jüdischen Wissenschaft, dasselbe zu thun. Neidlosspendete er von seinen Funden und war glücklich, die von ihm ge-funoenen Schätze zum Gemeingut machen zu können. Er war einPriester im Dienste der jüdischen Wissenschaft, und sein Andenkenwird im Hause Israel unvergeßlich bleiben.
Neben dem hebräischen Organe für die jüdische Wissenschaft (IvoromOlismsck) entstanden, von mehreren Seiten angeregt, deutsche Zeit-schriften, welche neben Tagesfragen auch jüdisch-wissenschaftliche Studienmehr oder weniger förderten und in raschen Umlauf setzten: das„Israelitische Predigt- und Schul-M agazin" (1834 — 36>,die „Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie"(1835 — 1847)1), die „Allgemeine Zeitung des Judenthums"(seit 1837 ununterbrochen bis heute bestehend).
1 ) Israel. Predigt- und Schul-Magazin 1834—38 und Allg. Zeitg. des Juden-thums seit 1837, gegründet von Ludwig Philippson, und die wissenschaftlicheZeitschrift von Abr. Geiger 1835—47.