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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

ihre ganze Sorgfalt zuwendeten, bethäiigte auch Luzzatto als Musterfür das jüngere Geschlecht. Sein Lebenlang, bis in seine letzte Stunde,obwohl er bereits einen europäischen Namen hatte, mußte er mit seinerFamilie darben, und die Entbehrung hinderte ihn nicht, sich der Er-weiterung seiner Kenntnisse mit einer Dnldergröße zu unterziehen, dieum so heldenmüthiger war, als sie nicht theatralisch in die Augen fiel.In Polen keine Mittel zu haben, wie es bei Rapoport, Erter und vielenandern Pflegern der neuen jüdischen Wissenschaft der Fall war, war nichtso niederbeugend wie in Italien, weil dort die Bedürfnisse gering, dieGenügsamkeit an Wenigem fast allgemein war und dort noch dazu reiche,hochherzige und die Wissenschaft schätzende Männer die Pfleger derGelehrsamkeit nicht fallen ließen. In Italien hingegen, wo Lebens-behaglichkeit auch im Mittelstände Bedürfniß geworden war und dieGleichgültigkeit der Juden gegen die Wissenschaft einen hohen Graderreicht hatte, muß es Bewunderung erregen, wie Luzzatto diese Ruheund Heiterkeit finden konnte, bei Sorgen um das tägliche Brod soviel für die Förderung der jüdischen Wissenschaft zu leisten. Luzzattoempfand bei jedem noch so geringen Fund eine kindliche Freude, welcheden Fernstehenden wunderlich erschien; es war die selbstgeschaffene Zer-streuung des Märtyrers, welche den im Augenblick nagenden Schmerzvergessen macht.

Für geschichtliche Studien war Luzzatto ursprünglich nicht beanlagt.Der hervorstechende Zug seines Geistes war schwärmerische Liebe zurPoesie, zum Judenthuni und zur hebräischen Litteratur, und diese dreifacheLiebe floß in seinem Innern in eins zusammen. Aber der gesteigerteEnthusiasmus, verbunden mit außerordentlich zartem Geschmacke fürdichterische Schönheiten, konnte die mangelnde Schöpferkraft in seinemWesen nicht ersetzen; er konnte es zu weiter nichts, als zu einem be-gabterenWessely" bringen. Seine hebräischen Verse, womit er diebiblische Poesie wieder zu beleben gedachte, sind tadellos, klangvoll undauch hebräisch gefärbt; aber es fehlt ihnen wie den Wessely'schenVersen die eigentliche Seele, die Poesie. Lnzzattos hebräische Prosa,so geschmackvoll sie auch gefeilt ist, hält mit der Erter'schen Zauber-sprache keinen Vergleich aus. Das empfand er selbst und war sogerecht, dem galizischen Kunstgenossen die Palme zu reichen. Seintiefes Verständniß für wahre Dichtkunst, besonders für die Feinheitender biblischen Litteratur, und sein geläuterter Geschmack haben Luzzattoein anderes Gebiet eröffnet, auf dem er etwas leisten konnte: dieAuslegung der heiligen Schrift. Die Säuberung dieses Kleinods vondem ihm seit Jahrtausenden anhaftenden Rost war bis dahin fremdenHänden anvertraut, die nicht das rechte Verständniß und noch weniger