Druckschrift 
11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
Entstehung
Seite
453
Einzelbild herunterladen
 

Die hebräischen Zeitschriften.

453

Verse, Petrarka's oder gar Anakreon's Lieder in hebräische Form zubringen, sondern, daß es jetzt gelte, die vergrabenen Heiligthümer desJudenthnms ans Tageslicht zu bringen. Es entstand ein Wetteiferunter Männern und Jünglingen, jüdisch-wissenschaftliche Untersuchungenzn verbreiten und zum Gemeingut zu machen. Je nach Begabung,Kenntniß und Reife brachten die Mitarbeiter amWeinberge" be-deutendere oder geringere Spenden, ohne Erwartung irgend einesLohns oder einer greifbaren Ehre. Welche Hochschule oder Akadeniiesollte ihre mühsamen Forschungen durch Einräumung einer Lehrkanzeloder eines Ehrenplatzes belohnen? Nicht einmal eine Rabbinatsstellestand denen in Aussicht, welche die von den rabbinischen Studien soverschiedenen, nicht selten entgegengesetzten Fächer anbauten. Im Gegen-theil, ihr wissenschaftlicher Eifer machte sie in den Augen der Stock-frommen rabbinischer Ehren unwürdig. Am meisten waren in demneuen Organ die Träger der galizischen Schule vertreten, und unterdiesen nahm Rapoport den ersten Rang ein, obwohl er sich wegenseiner freimüthigeu Aeußerungen Feindseligkeiten zuzog ^). Auch Krochmalließ sich, durch Rapoports muthiges Vorgehen angespornt herbei, einzelneKapitel aus seinem Sammelwerke unter seinem Namen zn veröffent-lichen. Die deutsche Judeuheit stellte jedoch nur zwei Vertreter zurMitarbeit, aber zwei hochbegabte: den sammelfleißigen Leopold Zuuzund den hochgestimmten Michael Sachs, die, wie verschieden auch inihrer Auffassung des Judenthums, jeder von seinem Gesichtspunkte ans,die jüdische Wissenschaft reich bedacht haben.

Eine neue Verstärkung erhielt die kleine Schaar der jüdischenForscher aus Italien, das lange Zeit in Schlummer versunken warund in die jüdische Geschichte nur wenig eingegriffen hatte. Nebendem alten wunderlichen Halbrabbinen Reggio in Görz, dem Rab-biner Ghirondi von Padua, welcher Nepis litterarisches Verzeichniß(o. S. 259) ergänzte, ferner dem reichen Privatmanns Almauzi unddem Arzt Samuel Vita della Volta aus Mantua ragte besondershervor: Samuel David Luzzatto (geb. in Triest 1800, starb znPadua 1865 2).

Jenen Opfermuth der jüdischen Forscher im Mittelalter, die in-mitten unsäglicher Entbehrungen und Leiden der Pflege des Geistes

*) S. Lsrem Obsmsct I, S. 50 f.

') Luzzatto gab seine Selbstbiographie nur stückweise heraus, zuletzt in derZeitschrift Ha-Maggid, Jahrg. 186465, sBielmehr Jahrg. 1858, NNr. 17. 18. 10,22. 23. 30. 33; Jahrg. 1859, NNr. 1. 13. 14. 21. 22. 31. 32. 33; Jahrg. 1862.NNr. 12. 15. 16. 21. 22. 23.) nur seine Jugenderlebnisse. sVgl. Bondi, E.L-np n-e- (Prag 1857), S. 62 74. u. ^.ntobioZrakia äi 8. v. I-.

herausgegeben von s. Sohne Jsai'e Luzzatto. Padua, 1882, 8.).