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Geschichte der Juden.
lichen Vorträge" verfolgten zwar auch zwei Nebenzwecke: die Gleich-stellung der Juden und die Förderung der Reform. „Möge derVortragende Prediger oder Rabbiner, Lehrer oder Redner heißen,wenn er nur aus Bibel und Haggada das Wort Gottes, aus altenund neuen Leistungen das echte Gold ... zu finden weiß. Dannwird wiederum in Deinen Tempel, o Tochter Zion! der göttliche Geisteinkehren . . . Der entzündete Funke erlischt nicht wieder; ihn könnenVerfolgungen nur zu lichter Flamme anblasen; denn unwiderruflich,wie der Sieg der Freiheit und der Civilisation, der bürgerlichen Gleich-stellung der Juden und ihrer wissenschaftlichen Kultur, ist die Reformund der Triumph des diese Reform offenbar machenden Wortes Z."Zu diesem Zwecke wird sorgfältig nachgewiesen und betont, daß vonjeher bis in die letzten Jahrhunderte in portugiesischen und italienischenGemeinden in der unverdorbenen Landessprache gepredigt wurde.Allein diese beiden Zwecke, die Emancipation und die Reform, sinddadurch nicht gefördert worden, oder in so fern sie sich verwirklichten,sind sie auch ohne die Beleuchtung „der gottesdienstlichen Vorträge"zu Stande gekommen. Aber wissenschaftliche Gründlichkeit nach deutscherArt haben sie für künftige Forschungen zur Nothwendigkeit gemachtund von den jüdischen Schriftstellern die Schmach genommen, alskönnten sie niemals in die Tiefe dringen.
Die flügge gewordene jüdische Wissenschaft schuf sich alsbald neueOrgane, in denen sie sich aussprechen konnte. Das älteste und ge-diegenste war in hebräischer Sprache gehalten: der „edle Weinberg"(Ivsrsin Odsmsä), von Samuel Löb Goldenberg ans Tarnopol ge-gründet'^), das ein Jahrzehnt hindurch den verschiedenen Seiten desJudenthums zu klarer Erkenntnis verhalf. Die Herrscherin war je-doch die jüdische Geschichte; ihr wurde darin die größte Sorgfalt zu-gewendet. Von den poetischen Spielereien, welche noch das Mittel-ding zwischen den ehemaligen Measfim und den neuen wissenschaftlichenOrganen, die von Schalom Kohen gegründeten „Erstlinge derZeiten" 2), füllen, ist darin keine Spur mehr zu finden. Diejenigen,denen ihre Aufgabe für die neuen Organe klar wurde, fühlten, daßes nicht mehr an der Zeit sei, mit Versen zu tändeln, hebräischeDramen oder eigentlich Dialoge zu reimen, Racine'sche oder Schiller'sche
r) Das. S. 481.
2) iQn o-r 7 Jahrgänge, zuerst I. 1833, II. 1836 in Wien, und 1838—1843in Prag erschienen. jsDann noch zwei Jahrgänge in Berlin 1854 u. 1856.Vgl. auch Weißberg a. a. O., S. 49 ff.).
u) ll'nvn 12 Jahrgänge von 1820 bis 1831. Wien, fortgesetzt vonfM. I. Landau,) Reggio fund I. Jeiteles. — Vgl. Weißberg a. a. O.).