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Geschichte der Juden.
Wie ein echter Dichter'war Erter bei der Vertheiluug der Erden-güter zu spät gekommen und hatte mit Noth zu kämpfen. Im drei-nuddreißigsten Lebensjahre, als er bereits heirathsfähigc Töchter hatte,setzte er sich noch auf die Schulbank, nm die Arzneikunst als Brod-studium zu erlernen. Die Zeit, die er für die Verjüngung der hebräischenSprache verwandte, mußte er dem Schlafe rauben, und in den bestenJahren, als er noch voll dichterischer Schöpferkraft war, raffte ihnder Tod hinweg. Erter hat viel für das Judenthum geleistet. Erhat durch die von ihm erwiesene Biegsamkeit der hebräischen Sprachefrische Liebe für die jüdische Litteratnr geweckt und ein fast neuesOrgan für die nenerwachte jüdische Wissenschaft geschaffen. Der Ein-fluß auf seine Altersgenossen ist unverkennbar. Während NachmanKrochmal's hebräischer Styl noch holperig, unbeholfen, man möchtefast sagen tibbonidisch steif ist und sich wie eine Uebertragung auseiner fremden Zunge ausnimmt, zeigen Rapoport, Natkes, JakobSalomon Bik, die beiden Goldberg, Vater und Sohn, undder Nachwuchs der galizischen Schule einen Fluß der Sprache, eineGewandtheit und Leichtigkeit, die dem Mißbrauch diente, französischeRomane und Spielereien ins Hebräische zu übertragen.
Rapoport stand demnach nicht ganz vereinzelt in Lemberg; erfand bereits Gesinnungs- und Strebensgenossen vor. Besonders günstigwar für die Entfaltung seines Geistes, daß ihm Krochmal ein leben-diges Buch mar, welches ihm alles für ihn Wissenswerthe bot. Ihmkamen die Kämpfe zu statten, die dieser bereits durchgemacht hatte.Rapoport hatte an ihm nicht bloß einen Freund und Wegweiser, son-dern auch einen Gedankenlenker, welcher seine bedeutenden Geistesan-lagen, statt sie in unfruchtbaren talmudisch - dialektischen Haarspalte-reien vergeuden zu lassen, auf die tiefere Erforschung des jüdischenAlterthums richten ließ. Von seinem Jünglingsalter an bis tief insein Mannesalter hinein, fast drei Jahrzehnte lang, pflegte Rapoportden Weg von Lemberg nach Zolkiew mindestens alle Monate einmalzurückzulegen, um den zugleich kühnen und zaghaften, gedankenreichenForscher Krochmal aufzusuchen und sich mit ihm in wissenschaftlichenGesprächen zu ergehen. Der Umgang mit seinem begabten jungenFreunde war für Krochmal bereits so sehr zum Bedürfniß geworden,daß er, so oft ihn ein Forschungsthema beschäftigte, ihn in Lembergaufsuchte, um im Gedankenaustausch mit demselben zur Klarheit zugelangen. Es bedurfte für Rapoport nur der Anregung; denn daSinn und Liebe für die jüdische Geschichte ihm angeboren waren, undGelehrsamkeit und scharfsinniges Errathen ihm zu Gebote standen, somachte er selbst fruchtbare Entdeckungen. In dem Austausch der Ge-