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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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447
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Ihr,der Greisin mit Silberhaar und Gesichtsrunzel, die nur nochSpuren ehemaliger Schönheit zeigt", wie er sie schiloert*), hat erJugendkraft und Jugendfrische eingehancht, sie für neue Eindrückeaus der Gegenwart empfänglich und für neue Gedanken gefügiggemacht. War Erter ein Dichter? In seinen hebräischen Versen,Gelegenheitsgedichten, Nachbildungen (auchPegasus u» Joche", eineAnwendung ans sein eignes Geschick), wohlklingenden Reimen undStrophen zeigt sich seine Meisterschaft nicht. Aber in seiner Prosawar er vollendeter Dichter. In seiner naturgetreuen, ergreifendenSchilderung liegt eine zauberhafte Poesie und ein Humor, die, wiedie Kinder der Heine'schen Laune, anziehen und fesseln. Ueberhaupthat Erter's hebräischer Stil viel Ähnlichkeit mit dem Heine's, ohnedaß er ihn gekannt hat: dieselbe Vorliebe für Einkleidung in Tranm-gesichte, derselbe ungesuchte Witz, dieselbe verwundende Satyre odervielmehr derselbe prachtvolle Humor zeichnete ihn aus, nur daß Erterdamit eine ernste Absicht verfolgte, die Verkehrtheit seiner Landsleutezu bessern und die Barbarei zu tilgen. Heine fand ein geschmeidigesMittel an der deutschen Sprache vor, die Lessing, Mendelssohn,Göthe, Schiller und die Romantiker bereits bereichert hatten. Erterdagegen hat mit der hebräischen Sprache wie mit einem spröden Stoffoperiren müssen und handhabte sie doch so mustergültig und fein wiedie besten hebräischen Dichter.

Zwei Jahrtausende nach dem Verstummen der Propheten erklangnoch einmal eine Stimme, welche sich zugleich alt und tagesnen an-hörte. Und in dieser Mischung des Alten und Neuen im Erter'schenStyle, der zugleich an Jesaia und an Heine erinnert, liegt ein außer-ordentlicher Reiz. Treu übersetzt, würden Erters Dichtungen nochanziehend genug sein; aber der eigenthümliche, unbeschreibliche Duftdes Originals würde dadurch verhauchen. In ihrem Urgefüge, inihrer ursprünglichen Färbung, in dem Gegensätze von Feierlichkeit undKindlichkeit, von Hoheit und Kleinlichkeit, machen diese Dichtungen aufden für diese Feinheiten emvfänglichen Sinn einen unvergleichlich an-genehmen Eindruck. Beim' Lesen dieser vollendeten Meisterschilde-rungen bedauert der Leser nur, daß sie nicht länger ausgefallen sind,und daß dieser sinnige Künstler nicht mehr als sechs solcher anschau-licher Gemälde und nur wenige ebenso schöne Briefe hinterlassen hat 2).

H Einleitung zum ObatnL I, bei Letteris, S. 7.

") Die Reihenfolge der Erterschen Stücke I) -iE, 1823. 2) morm rinwr,1834. 3) 'WM'w 1837. 4) 184». 5) irr) 1845. 6) wirw.nrir.n

loiiupL oder Einl. zum Obalnri 1852. Erter schilderte auch die

Damascencr Blutgeschichte iu reizend biblischem Style, pirr,- rchzio (bei LetterisS. 106), ist aber nicht weit damit gekommen,jwas sehr zu bedauern ist.