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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Isaak Erter.

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wissensdurstigen jungen Männer, die einander zugleich Lehrer undSchüler waren, und die, was sie Schönes und Wahres in dereuropäischen Litteratur fanden, für sich und Andere in hebräischemGeiste verarbeiteten und überhaupt diese Sprache wie eine lebendegebrauchten. Schwierigkeiten, die dieser Kreis selbst nicht überwindenkonnte, ließ er sich von dem weisen Meister Krochmal lösen undwallfahrtete zu ihm nach Zolkiew wie zu einem Zauberer. DreiJahre *) dauerte dieses wissenschaftliche idyllische Zusammenleben, dessensich diese Männer wie eines goldenen Traumes auch im späten Altergern erinnerten. Aber ihre Beschäftigung mit der Profan-Litteratur,ihr Thun und Treiben gab großes Aergerniß.

Eines Tages fand man an den Synagogenpforten in Lembergim Namen des Rabbinen Jakob Ornstein eine Bann-Androhunggegen vier Neuerer, gegen Rapoport, Erter, Natkes und Pastorangeheftet, weil sie der Jugend ihre angeblich ketzerischen Ansichtenbeibrächten. In formeller Weise den Bann zu verhängen, wie ehe-mals, war seit Kaiser Josephs Zeit in Galizien verpönt; darumhatten die Eiferer diesen Weg gewählt. Sie hatten zur selben Zeit,als sie Krochmal in den Geruch der Ketzerei brachten (S. 439), imPlane, einen entscheidenden Streich gegen sämmtliche Apostel der Kulturzu führen. Aber daß sie den Bann lediglich über diese vier mittel-losen Männer verhängten und sich nicht an die Reichen und An-gesehenen, wie Mises, wagten, der das talmudische Judenthum geradezuverhöhnte, diese Feigheit benimmt ihrem Eifer jeden Werth. IhrBannspruch hatte auch nicht die erwartete Wirkung. Ornstein wurdevon der östreichischen Behörde gezwungen, ihn zu widerrufen. Rapoporthat er wenig geschadet, da er eine, wenn auch beschränkte, so doch ziem-lich unabhängige Stellung einnahm und den Unterricht an die Jugendunentgeltlich ertheilt hatte. In den Augen der Menge galt er zwarals Ketzer, aber das hat ihn nicht gehindert, später Kreis-Rabbinervon Tarnopol und Ober-Rabbiner von Prag zu werden.

Der arme Erter wurde indessen hart davon betroffen, da ersein und der Seinigen Leben vom Unterrichten fristen mußte. Trotzdes Widerrufes von Seiten des Rabbiners mochten viele Eltern ihmihre Söhne nicht mehr anvertrauen; er mußte zum Wanderstabegreifen und begab sich »ach Brody. Aber er hat sich an Ornsteinund den Eiferern empfindlich gerächt; ihre Geistesbeschränktheit undErbärmlichkeit hat er für alle Zeiten durch die Poesie wie in Erzverewigt. Der Schmerz und der Unwille, sich von solchen Plage-

') Von 1813 bis 1816.