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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

werden können. Erter hat eigentlich nur die Verkehrtheiten der pol-nischen Judenheit, den Wust von Aberglauben und Gelehrsamkeit,die chaßidäischen Gemeinheiten geißeln wollen, und er hat mit der ge-diegenen schönen Form, in die er seinen Spott und seine sittliche Ent-rüstung brachte, die Unsterblichkeit der hebräischen Sprache und deshebräischen Stammes beurkundet. Das Kind eines elenden galizischenDorfes hat liebliche hebräische Malereien geschaffen, an denen Jesaiaund die feinfühligen Psalmisten Freude gefunden haben würden.Erter's Vater, ein unbemittelter Halbbauer, hatte dennoch die denJuden heilige Pflicht nicht versäumt, seinen begabten Sohn in dasjüdische Schriftthum einführen zu lassen. Es war allerdings nur derTalmud, in dem der junge Erter heimisch wurde. Von den Schön-heiten der biblischen Poesie hatte er in seiner Jugend ebenso wenigAhnung wie sämmtliche Juden Polens zu damaliger Zeit. Im drei-zehnten Lebensjahr legte ihm sein Vater die Fessel der Ehe auf mitder Tochter eines kleinstädtischen Rabbiners, und kurze Zeit daraufwurde der Knabe nach einander Wittwer und Ehemann einer zweitenFrau. Sein zweiter Schwiegervater, der ihn unterhalten hatte, betrogihn um das Wenige, das er ihm zugesagt hatte, und so mußte Erterschon in der Jugend das Brod des Elends genießen. Um seine nagendenSorgen zu verscheuchen, ging er unter die lustigen Brüder desChäßidäerthums und machte alle ihre Alfansereien mit; aber das ihmangeborne Schönheitsgefühl empfand Ekel an dem Anblick des sitt-lichen und handgreiflichen Schmutzes dieser berauschten Himmelsstürmer. Auch der Glaube an die chaßidäischen Wunder fehlte ihm.Ein glücklicher Zufall führte ihm einen gebildeten Mann zu, der ihnmit zwei leuchtenden Idealen vertraut machte, mit Maimuni undMendelssohn; dadurch lernte er auch das höchste Vorbild, den Pro-pheten Mose und die hebräische Litteratur, verstehe», lieben und nach-ahmen. Ein neuer Geist war durch diese alte und doch immer neueOffenbarung über Erter gekommen, die seine Gesinnung und Stellungzum Judenthum umwandelte; aber nicht wie bei Salomon Maimonund andern Polen geweckten Kopfes, um ihm den Rücken zu kehrenund es zu verhöhnen, sondern um es durch Selbstläuterung zu läutern.Um sich weiter zu bilden, zog es Erter nach Lemberg, wo er mehrMittel zur Befriedigung seines Wissensdurstes zu finden hoffte. Hierfand er in der That strebsame Altersgenossen, die, gleich ihm, früh-zeitig beweibt und von Nahrungssorgen gequält, nichts desto wenigerihr ganzes Trachten auf die Pflege des Geistes richteten. Hier fander Rapoport, zu dem er, als dem Kenutuißreicheren, mit Verehrunghinauf blickte. Es lag ein eigner Zauber in dem Umgänge dieser