Rapoport.
443
in Brody, Lemberg und Tarnopol hatten sich seit dem Kriege mitNapoleon kleine Kreise gebildet, welche die Selbsterziehnng, die Verbreitungvon Bildung und den Vernichlungskampf gegen das Chaßidäerthumthatkräftig unternahmen. Der Anfang wurde in Tarnopol von JosephPerl gemacht (geb. in Tarnopol 1773, st. das. 1839 st. Mit Aufopferungvon Zeit und Geld und mit eiserner Beharrlichleit gründete er einehöhere jüdische Bürgerschule, welche später zum Muster dientest. Erbrachte den Chaßidäern empfindliche Schläge durch witzige Dunkel-männerbriefe in geflissentlich entstelltem, barbarisch-kauderwelschemHebräisch bei, welche den mönchslateinischen von Rubianus und Huttennicht nachstehen und vielleicht noch künstlerischer gehalten sind. DieserTodfeind der Chaßidäer trat mit den jüdischen Vertretern der Bil-dung in Deutschland in Verbindung und wurde vom Berliner Kultur-verein zum Ehrenmitglied ausgenommen. — In Brody, wo die Judeneine Art Welthandel trieben, brachten reiche Kaufleute aus ihrem Ver-kehr mit Deutschland und Oestreich die Sucht mit, es den deutschenJuden nachzuthun. Die Familie Kaller ermuthigte und unterstütztebegabte Jünglinge, sich auf Aneignung von Kenntnissen zu verlegen.— In Lemberg, Rapoport's Wohnort, hatte sich eine Art litterarischenKreises gebildet, dessen Mittelpunkt ein zugleich vermögender und unter-richteter Manu, Jehuda Löb Mises, war (st. 1831 st. Dieser versahdie strebsamen Jünglinge in Lemberg mit Geld und Rathschlägen und,was besonders wichtig für sie war, mit einer Bibliothek gehaltvollerhebräischer und in modernen Sprachen geschriebener Bücher.
In diesem Kreis bildete sich ein junger Mann zu einem be-wunderten Künstler aus, der in den Gedenkbüchern der jüdischenLitteratnr ein goldenes Blatt verdient, Isaak Erter (geb. in einemDorfe bei Przemysl 1792, st. in Brody 1851 st. Wer die Verjüngungs-fähigkeit einer alten, sogenannten ansgestorbenen Sprache durch dichte-rische Zaubermittel zeigt, hat damit, ohne es zu beabsichtigen, dieLebensfähigkeit des Volksstammes bewiesen, in dessen Mitte solcheKunstgebilde entstehen und von Vielen verstanden und bewundert
st Perl's Biographie in Busch's Jahrbuch, Jahrg. 1846—47 (S. 20V — 232)von Nathan Horwitz; Lsrsm Olismsü V, p. 163 von Rapoport. jVgl. B. Golden-berg, ->rn st-im, Lemberg, 1866, 8.j
st Die Perl'sche Schule wurde 1813 gegründet.
st Die hebräischen tstüstolasobsourorumvirornin, p-rai- erschienen 1819.
st Vgl. Lsrein Olismed I, p. 124. Verf. von ox-p und .->nrn
s. o. S. 386 fu. dazu die Bemerkung über die Autorschaft des letzteren Buches.j
st Seine schöngeschriebene Biographie gab M. Letteris als Einleitung zudessen ges. Dichtungen und Briefen unter dem Titel ri'27 Wien 1858.
f2. Ausl. Wien, 1864. 3. Ausl. Warschau, 1883, 8.j