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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

lich seine Tochter zur Frau gegeben. Man darf nicht den PolnischenRabbineu allein die Schuld an ihrer grimmigen Gehässigkeit gegenjedes außertalmudische Wissen zur Last legen. Die öffentliche Meinungwar so sehr dagegen eingenommen, daß selbst fromme Rabbinen esverheimlichen mußten, wenn sie sich auch nur in Mußestunden damiteinlassen wollten. Rapoport hat sehr anschaulich den Schmerzens-weg beschrieben, den er und seines Gleichen beschreiten mußten, umzum Baume der Erkenntniß zu gelangen. Schwer war es, ein wissen-schaftliches Buch überhaupt, noch schwerer ein in einer europäischenSprache verfaßtes zu erlangen. Der Index der in der öffentlichenMeinung verbotenen Schriften war viel umfassender als der päpstliche.Hatte ein Wissensdnrstiger sich ein Solches ans Schleichwegen ver-schafft, und erriethen seine Verwandten oder Freunde das auch nochso streng bewahrte Geheimuiß, so beschworen sie ihn, davon abznlassenoder confiscirten eigenmächtig das verketzerte Buch, um ihren Ver-wandten oder Freund nicht der fanatischen Hetzjagd von Seiten derChaßidäer ausgesetzt zu sehen ^). Selbst helldenkende Männer gabensich ernsten Bedenken darüber hin, ob es nicht nach talmndischerAnschauung verboten sei, sich mit den profanen Wissenschaften zu be-schäftigen 2).

Indessen so ganz vereinsamt war Rapoport mit seinem Strebennach Wissen keineswegs. Hier und da zeigten sich schon in GalizienKeime eines frischen Geistes, welcher sich anstrengte, das Joch der ge-dankenlosen und fanatischen öffentlichen Meinung abzuschütteln. DieBerührung mit Wien, die napoleonischen Kriege und überhaupt dieVerbindung mit der großen Welt hatten manche alte Formen ab-gestreift. Besonders reizte die Ausbreitung des chaßidäischen Wesensund sein übermüthiges, höhnisches und immer tolleres Treiben dieBesonnenen und Vernünftigen zu kräftigem Widerstand, erfüllte siemit leidenschaftlichem Haß gegen dasselbe und ließ sie auf Mittelsinnen, es aus dem Wege zu räumen. Als das Geeignetste schienihnen die Vertilgung der bäurischen Unwissenheit in religiösen wieweltlichen Dingen und der kindischen Leichtgläubigkeit durch Zuführungvon Bildungselementeu. Denn obwohl die östreichische Regierung dengalizischen Gemeinden die Anlegung von Schulen zur Pflicht gemachthatte, kümmerten sich die niederen Behörden fast gar nicht um dieErfüllung derselben, und das war nach der einen Seite hin gut; denndadurch war die aus den Kämpfen hervorgegangene Selbstbefreiungder Juden fruchtbarer. In den drei größten galizischen Gemeinden

U Vgl. Usrsm (lbsmeä VI, p. 45.

2) S. Uikknrs Iia-Ittim, Jahrg. 1828, ii. 8.