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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Zwei Männer waren es besonders, die mit dem Pfunde das sie vonDeutschland empfangen hatten, reichlich wucherten: N achman Kroch -mal und Salomo JehudaRapoPort, beide gewissermaßen berufen,eine Lücke ausznfüllen, welche die Pfleger der jüdischen Wissenschaftin Deutschland und Frankreich nicht hatten ergänzen können. Siehaben ans den Schachten, welche in diesen Ländern nicht zugänglichwaren, gediegenes Erz geholt und auch den Weg gezeigt, wie es herbei-geschafft und verarbeitet werden kann. Sie haben einen Wetteifererregt, der es möglich machte, daß in fo kurzer Zeit, in drei Jahr-zehnten, die Trümmerdecke von der großen Vergangenheit des Juden-thums weggeräumt und das darunter vergrabene Götterbild zumVorschein gebracht werden konnte. Sie waren die Stifter einer neuenSchule, welche man die galizische nennen kann.

Nachman Kohen Krochmalsgeb. in Brody 1785 Z, starb in Tar-nopol 1840), war der Sohn eines für Wissen empfänglichen, wohlhabendenKaufmanns, der Reisen nach Deutschland zu machen pflegte; er fingnoch die matten, verlöschenden Strahlen von der untergehenden Mendels-sohn'schen Schule auf. Mendelssohn war das Ideal, nach dem sichKrochmal bildete. Mit vierzehn Jahren verheirathet und nach demkleinen Städtchen Zolkiew verpflanzt, wo noch die verderbliche wissens-feindliche Lehrweise herrschte, vertiefte sich Krochmal heimlich in diehebräische Litteratur, welche seinem Geiste gesunde Nahrung zuführte.Asaria der Rossi^), der ehemals verketzerte und verschollene jüdischeForscher aus dem sechzehnten Jahrhundert, lebte in Krochmal wiederauf. Er suchte sich auch die Schriften der deutschen Philosophen,besonders Kant's, zu verschaffen, um seinen Geist mit Gedanken zu füllenund zu klären. Je mehr die Stocktalmudisten und die chaßidäischenKetzerriecher in Polen Jedem nachspürten, der sich mit außertalmudischemund außerkabbalistischen Schriftthume befaßte oder ein nicht hebräischesBuch zur Hand nahm, um ihn in der öffentlichen Meinung zu brand-marken Salomon Maimon's und Ben-Seeb's leichtsinniges Ver-halten hatte noch mehr Veranlassung zum Argwohn in Polen gegeben desto süßer schmeckte Krochmal und seinen Gesinnungsgenossen diesesverstohlen genossene Brod. Unter der Zobelmütze sammelten sich in

Krochmals Biographie hat zum Theil Rapoport geschrieben, LsremtNsmeä VI, p. 4149 (anonym), ferner Zunz in Busch's Jahrbuch, Jahrg. III.(1844 45) S. III ff. endlich M. Letteris, als Beilage zu der 2. Aufl. vonKrochmals ;m>-! n-oo (Lemberg, 18K3) S. 11 ff. sUeber die Theilnahme dergalipschen Juden an der Aufklärungslitteratur vgl. M. Weißberg, die ne»-hebriiische Aufklärungs-Litteratur in Galizien (Wien, 1898, 8), über Krochmal,Rapoport u. Erter des. a. a. O. S. 27 ff. 32 ff.)

) S. B, IXg., S. 405 ff.