Nachmcm Krochmal.
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seinem Kopfe, nachbarlich neben den angehäuften Wissensniassen ausdem Talmud Gedankenschaaren, welche eine kriegerische Haltung gegenden Talmndismus an.lahmen. Aber es kam nicht zu einer Kriegs-erklärung. Krochmal war, vielleicht wegen seiner von Geistesarbeitäußerst geschwächten Gesundheit, zu ängstlich, um einen kühnen Schrittaußer dem Geleise zu thun; er wich vielmehr jedem Kampfe aus,machte alle Afterfrömmigkeit in der übertriebenen polnischen Weise mitund that lieber etwas mehr als weniger, um seine Ruhe nicht zu ge-fährden. Er war überhaupt zu ernst und zu vorsichtig, als daß erdie Schranken der Gewohnheit zu überspringen gewagt hätte. Krochmalzeigte sich gern in der Gewandung des gesetzten, gleichmüthigen Weisen,des polnischen Mendelssohn, und da sein Vorbild auch nicht um einesHaares Breite von der religiösen Lebensweise der Gemeinde abgewichenwar, so that es ihm Krochmal nach. Freilich dem Argwohn konnteer nicht entgehen. Er hatte einen harmlosen Briefwechsel mit einemkaräischen Chacham aus dem Nachbarstädtchen Kukizow unterhalten.Einige Frömmler hatten Wind davon bekommen und vorausgesetzt,daß Krochmal mit den Karäern eine Verschwörung gegen den Talmudangezettelt habe. Einen seiner Briefe wußten sie dem arglosen Karäerabzuschwatzen, suchten den unschuldigen Komplimenten, die er dem-selben in Versen gemacht hatte, Ketzereien ausznpressen, und verbreitetenihn in der zahlreichen Gemeinde von Lemberg, um die Menge gegenKrochmal zu Hetzen. Diese Umtriebe nahm sich Krochmal allzusehr zuHerzen, wurde noch ängstlicher und vorsichtiger und verschloß seineGedanken in seinem Kopfe. Er war lange nicht dazu zu bewegen, etwaszu veröffentlichen. Z
Aber vor vertrauten Genossen und Jüngern öffnete er die Schätzeseines Geistes nicht hinter Wänden, die Ohren haben könnten, sondernauf freiem Felde. Seine Zuhörer, talmudisch geschult und in Ent-räthselung dunkler Andeutungen außerordentlich gewandt, erfaßten seineWinke schnell, ohne daß er sich in weitläufige Auseinandersetzungeneinzulassen brauchte. In dieser Lehrweise lakonischer Kürze konnteKrochmal Alles unterste zu oberst kehren und eine Reihe neuer For-schungen aufstellen, in denen jeder einzelne Satz, wenn er ans Lichtgesetzt worden wäre, ihn ohne Weiteres in den Augen seiner Lands-leute zum verdammenswerthen Ketzer hätte stempeln können. Wasseine Lehrweise und seine Forschungen besonders fruchtbar machtewar die Klarheit und Abrundung seiner Gedanken, die wie an einer
Vgl. die gerechte Klage über die Ketzerriecherei in Polen Lsrsm ObsnrsäI, S. 74.