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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Steinheim.

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werde, deren Bringer dem Hasse, der Verachtung und der Verfolgungpreisgegeben ist."*) Allerdings verräterisch sich vom Judenthum los-zusagen, wie Heine, Eduard Gans und so Viele, erschien Steinheimals Ehrlosigkeit und Frevelthat zugleich, und er ist ihm daher äußerlichtreu geblieben. Aber er hat die von ihm erkanntc Wahrheit, daß dasApostelamt der Juden darin bestehe, nicht bloß Priester, sondern auchOpfer zu sein, nicht auf seine Lebensweise einwirken lassen. Es warnicht Charakterschwäche in Steinheim, sondern ungenügende Kenntnißdes Judentums in seiner Allseitigkeit. Bei aller seiner Vorliebe fürden Gedankenschatz desselben war er überall heimischer als im jüdischenSchriftthume. Mühsam mußte er sich die Belege zusammen suchen, umeine Grundlage für seine Gedankenreihe zu haben. Er verstand, wiesein Gegenbild Philo in der alexandrinischen Zeit, die Sprache nicht,in welcher, nach seiner Ansicht, die höchste Wahrheit am Sinai geoffen-bart wurde. Nicht bloßdie fromme Ehrfurcht war in kaum dreiGeschlechtern geschwunden," wie er selbst klagte-f,oder gar in ruch-lose Gottlosigkeit und Abtrünnigkeit nmgewandelt", sondern auch dieKenntniß des jüdischen Schrifttums war dem neuen Geschlechts ab-handen gekommen, und dieses war zugleich Wirkung und Ursache derEntfremdung vom Ursprünge. In Steinheim hatte sich das Selbst-gefühl der Juden ermannt und hatte weiter geweckt, aber nicht zu vollerSelbsterkeuntniß; darum hielt er sich von dem noch in Knechtsgestaltauftretenden Judenthume praktisch zurück, und darum konnte er dieganze Tiefe desselben nicht ergründen. Es war nicht Zufall, daßseine Hülle in ein christliches Grab in Zürich gesenkt wurde. Weiler seine Frau nicht zur Höhe der Priester- und Opferschaft durchwerktätiges Ueben erhoben hatte, war ihr das Bekenntniß vielleichtnoch mehr als gleichgültig, und darum mochte sie seine Hülle nicht denStammesbrüdern übergeben, b)

Die tiefere Erkenntniß wurde von einer andern Seite geweckt,wo mau sie gar nicht erwartete, in einem Lande, welches die Gebildetenunter den Juden, die Riesser und Steinheim mitgerechnct, verächtlichanzusehen pflegten. Wie man ehemals sagte: Was kann Gutes ausGaliläa kommen? so sagte man damals und sagt es noch heute: Waskann Gutes aus Polen kommen? Aber gerade von hier aus kam eineneue Befruchtung, welche lebenssaftige Keime zur Entfaltung brachte.

*) Steinheim, Offenbarung, I, S. 360.

2) Das. Einleitung. S. XII.

b) sNach den authentischen Mittheilungen des Rechtsanwalts Marburg inder Monatsschrift f. Gesch. u Wissensch. d. Judeuthums, Jnhrg. 1872, S. 462 ff.,ist dieser Vorwurf unhaltbar, vgl. den Zusatz zu Anm. 1 oben, S. 43l.j