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Geschichte der Juden.
hatte oder gefunden zn haben glaubte, empfand er eine Gluth dafür,welche in der Zeit »lichterer Betrachtung als eine Sonderlichkeit er-scheinen konnte. Diese Liebe für das Judenthum machte ihn hellsehendund erleichterte ihm so sehr das Verständniß für die Vergangenheit,daß er selbst die Thätigkeit der vielgeschmähten Rabbinen zu würdigenwußte. „Sie, die Väter der Synagoge, waren von der Erhabenheitihres Berufes wie ihres Werkes tief ergriffen." Sie haben sich derstrengen Lehre zuerst unterzogen. „Was ihre Gemeinde zu entbehrenhatte, entbehrten sie zuvor in reicherem Maaße. . . Galt es Opfer zubringen, galt es im Märtyrerthum unterzugehen, so waren sie dieersten Opfer"?) Sie hatten bekanntlich die schwere Aufgabe, inmitteneines vortheilhaften, mächtigen und dem Menschen natürlichen Heiden-thums die Lehre der Offenbarung lebendig zu erhalten.
Steinheim hat mit seiner „Offenbarung" recht viele Wahrheitengeoffenbart, oder richtiger: verschüttete und vergessene alte Wahrheitenans Licht gezogen. Keiner hat zu seiner Zeit wie in der vorange-gangenen das Grundwesen des Judenthums so tief verstanden wie er,wenn auch manche seiner Voraussetzungen und Folgerungen nicht Stichhalten. Er hat aber einen kaum bemerkbaren Eindruck auf seine Zeit-genossen gemacht, obschon er mit fast prophetischer Begeisterung und inanziehenden Redewendungen die Hoheit des Judenthums auseinander-setzte. Woher kam diese Vereinzelung? Warum hat Steinheim mitseiner aufrichtigen Gesinnung, seinem hohen Geistesfluge, seiner gluth-vollen Sprache so wenig Anziehungskraft auf die jüdische Jugend, andie er sich zunächst gewendet, ausgeübt? Weil sein Leben und Thunmit seinem Denken und Fühlen nicht in Einklang waren. Er hättefolgerichtig sich der aus Verkennung „täglich mehr verwaisten Synagoge"eng anschließen müssen, ihre Leiden und ihre Schmach auf sich nehmen,ihre religiösen Fest- und Trauertage mitfeiern und sich in den Stolzder äußerlich Geknechteten und innerlich Freien hüllen müssen. Dasthat Steinheim nicht; er hielt sich vielmehr von der jüdischen Gemeindeund dem jüdischen Leben fern, lebte wie einst die alexandrinisch-jüdischenAllegoristen in dem Dunstkreise der Ideen des Judenthums und wargegen ihre praktische Bewährung, wenn auch nicht zu vornehm, doch zugleichgültig. Was er selbst als Grund des Sträubens gegen die Lehre desJudenthums richtig erkannt hatte, „die Einfalt und die Knechtsgestaltihrer Träger," hat auch ihn abgestoßen, statt gerade ihn anzuziehen.„Es ist der Name des Volkes, das ihr Depositär ist, zum Schimpf-namen geworden, und nun wird gefordert, daß eine Lehre angenommen
Offenbarung pp. Th. I. Eint. S. XIII f. vgl. S. XII.