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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Lehrbegriff der Synagoge" (Febr. 1835?) Ein halbes Jahrhundertwar verflossen, seitdem Mendelssohn den Lehrinhalt des Judenthumsin gedankenreicher Fassung auseinandergesetzt hatte. Seit der Zeitwar vielfach darüber von Juden und Christen gehandelt worden. Jedersuchte nach Belieben eine Seite desselben heraus, um es sich nach Be-quemlichkeit zurecht zu legen oder es zu verunglimpfen. Steinheim,ein tiefer philosophischer Kopf, unterwarf den ganzen Lehrinhalt einergedankenstrengen Prüfung und stellte ihn als das Höchste hin, alsdasWunder der Wunder" durch den allein der grübelnde menschlicheGeist innere Befriedigung erlangen könne. Er trat kühn an die Be-antwortung der Frage heran: Was ist denn eigentlich dieses so hoch-gepriesene und tief geschmähte Judenthum? Alle jüdischen Denker warenschon glücklich, Nachweisen zu können, daß die Grnndlehren desselbensich mit den Lehrsätzen der Philosophie über die Geisteswelt deckenoder ihnen wenigstens nicht widersprechen. Auch Mendelssohn hatte sichdabei beruhigt, daß die Glaubenslehren des Judenthums vernünftigseien, d. h. der Vernunft nicht widerstreiten. Dieses höchste Tribunal,um dessen freundliche Zustimmung die Religion gewissermaßen bettelte,hatte aber inzwischen eine gewaltige Erschütterung erlitten. Kant, derDenker von Königsberg, der philosophische Robespierre, hatte dieMajestät der Vernunft in den Staub gezogen und ihre Ohnmachtbewiesen, aus sich selbst unerschütterliche Wahrheiten zu erzeugen. IhreErzeugnisse seien mit dem angeborenen Fehler des Widerspruches be-haftet, oder sie theilten die Beschränktheit des Menschlichen, das ebendem Jrrthum unterworfen ist. Wäre der Mensch auf den wegweisen-den Faden der Vernunft oder der natürlichen Philosophie angewiesen,so würde er in seinem sittlichen Handeln aus dem Labyrinth der Wider-sprüche und Ungewißheit nicht herauskommen. Es sei daher, so folgerteSteinheim auf Kants Vordersätzen weiter, ein schlechtes Compliment füreine Religion, daß sie mit der Vernunft übereinstimme; denn diese seider Chronos, der seine eigenen Kinder verschlinge; oder sie baue mitder einen Hand und zerstöre mit der andern. Die vernunftgemäßeReligion sei eben das Heidenthum oder die natürliche Religion inden verschiedensten Abstufungen, das Heidenthum, das so viel sittlichesUnheil gestiftet habe, indem die Räuber, die Diebe, die Ehebrecher,die Knabenschänder ihre Vorbilder in den höchsten Wesen fanden," woselbst die Guten neidisch, liederlich, ehebrecherisch, rachgierig und ungerechtwaren. Und swenn das Christenthum sich von der Gemeinschaft desJudenthums völlig lossagen wolle, wie es seit Schleiermacher und

U Der erste Theil erschien in Frankfurt a. M. 1835, der zweite inLeipzig 1856, der dritte das. 1863 und der vierte das. 1865.