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Geschichte der Juden.
schlecht Jakobs war abwechselnd zerstreuet und versammelt und zuseinem Berufe auferzogen seit seinem Entstehen"*).
„Du darfst nicht zählen die Zeugen voll Blut,
„Nicht nennen die Schaaren im Holzstoß,
„Die im Tode den Einen lobten,
„Der ist, der war, und der sein wird.
„Du selber, Du ewiges Bundesvolk,
„Zahllose Schaar unter Völkern zerstreut,
„Du bist Priester und bist Opfer,
„Ein blutiger Zeuge Jehova's.
„Fürwahr, detz rühmt sich kein Erdenvolk,
„Deß rühmt sich der Stämme keiner,
„Der Entsagung und der Treue,
„Des Zeugnisses um die Wahrheit"").
Dazu eben habe das jüdische Volk seine Pilgerschaft auf demganzen Erdruude aiigetreten, damit es überall hin die Lichtkeimereiner Gottesverehrung und hoher Gesittung ausstreue. Bon dieserHöhe aus gesehen, erschien Steinheim die Vergangenheit und dieZukunft des Judenthums in durchsichtigem Schimmer. Alle Räthselwaren gelöst, alle Fragen beantwortet; die Lehre und die GeschichteIsraels gaben befriedigende, tröstende Antworten. Die PriesterlicheSendschaft Israels sollte sich eben auf Schmerzenswegen bewähren;dieser Heiland der Welt mußte eine Dornenkrone tragen, mußte zurKnechtsgestalt erniedrigt werden. Die Vergangenheit und die ZukunftIsraels sah Steinheim wie in einem Zauberspiegel, hell, klar undfarbenreich. Nur die Gegenwart war ihm räthselhaft. Die Ent-fremdung der Söhne seines Volkes von ihrem Ursprünge, die Ver-zweiflung an sich selbst, die Verachtung gegen die Lehre und Ab-stammung, die täglich vorkommende Abtrünnigkeit und Fahnenfluchterschienen ihm als Vorboten des nahenden Untergangs, als sollte derHohepriester der Menschheit sich selbst verweltlichen und entweihen,sein Erstgeburtsrecht für ein Gericht Linsen vertauschen. Dieser Selbst-entfremdung und diesem Selbstaufgehen wollte Steinheim entgegenwirken. Dazu dichtete er seine „Gesänge aus der Verbannung", undarbeitete sein Gedankensystem aus. „Ich fürchte nicht die Zeiten", läßter den greisen Weisen zu seinem Sohne sprechen, „ich fürchte nicht dieZeiten des allgemeinen Drangsals; dann halten, wie unterm Joche dieRinder, die gemeinschaftlich Leidenden zusammen. Auch die Zeiten, daallgemein die Freiheit herrscht, fürchte ich nicht: in diesen bringt Lüge
1) 2. Auf!., S. 44.
2) Das. S. 49.